Wer in Berlin ein Baugrundstück sucht, muss dafür immer mehr bezahlen. Einen besonders starken Preisschub gab es im vergangenen Jahr. Wie das Amt für Statistik am Dienstag mitteilte, erhöhten sich die Preise für Bauland von 393 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2016 auf 695 Euro im Jahr 2017. Das entspricht einem Anstieg von rund 77 Prozent.

Die Entwicklung hat fatale Folgen für die Mieten im Neubau. Der Verband Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen (BBU) schätzt, dass sich der Grundstücksanteil an der Neubaumiete dadurch von bisher zwei Euro pro Quadratmeter auf drei bis vier Euro je Quadratmeter erhöht – wobei die rechnerische Miete im Erstbezug von elf auf bis zu 13 Euro steigt.

Für die landeseigenen Unternehmen ist der Grund für den Preisanstieg klar. „Die hohe Nachfrage nach Wohnbauland in Berlin hat insbesondere vor dem Hintergrund des immer knapper werdenden Angebots an Bauflächen in den vergangenen Jahren zu einem erheblichen Preisanstieg geführt“, sagt Stefanie Frensch, Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft Howoge. „Als landeseigene Gesellschaft haben wir den Auftrag, bezahlbaren Wohnraum herzustellen“, sagt Frensch. „Die aktuelle Marktsituation macht es uns jedoch immer schwerer, auf dem Markt im Wettbewerb Grundstücke zu akquirieren, die eine nachhaltig wirtschaftliche Abbildung der Investitionen ermöglichen.“ Umso wichtiger sei es, zum einen landeseigene Grundstücke zu erwerben und zum anderen auf eigenen Flächen Nachverdichtungspotenziale für den Neubau von Wohnungen zu nutzen“.

Ankauf wird teurer

Frenschs Kollegin Snezana Michaelis von der Gewobag sieht es ähnlich. „Auch wir beobachten den Preisanstieg für Bauland mit Sorge“, sagt sie. „Für unsere eigenen Neubauvorhaben hat dies zunächst keine beziehungsweise wenig Relevanz, da wir auf eigenen oder eingebrachten Grundstücken bauen“, so Michaelis. Beim schlüsselfertigen Ankauf von Projektentwicklungen äußere sich die Entwicklung jedoch in steigenden Kaufpreisen. Die landeseigenen Unternehmen stehen damit zunehmend vor einem Zielkonflikt. Denn sie sollen im freifinanzierten Neubau im Schnitt Mieten unter zehn Euro je Quadratmeter anbieten.

Müssen die Unternehmen dafür teures Bauland ankaufen, lässt sich das Ziel kaum erreichen. Die Zahlen des Amtes für Statistik zeigen, dass im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2016 deutlich weniger Verkäufe registriert wurden. Außerdem schrumpfte die Fläche, die verkauft wurde. Ein Indiz, dass das Angebot nicht ausreicht. Denn die Nachfrage nach Bauland ist weiter da. Gut ein Fünftel der Verkäufe wurden nach Angaben des Amtes für Statistik in Marzahn-Hellersdorf getätigt. Weniger als zwei Prozent der Verkaufsfälle wurden in Friedrichshain-Kreuzberg gemeldet. In dem Ost-West-Bezirk zogen die Preise für Bauland besonders stark an: von 1025 auf 4890 Euro je Quadratmeter.

Gegen Spekulation vorgehen

Der Anstieg ist nach Angaben des Amtes für Statistik auf „einen einzigen außergewöhnlichen Kauffall“ zurückzuführen, der den durchschnittlichen Kaufwert in die Höhe getrieben hat. Nicht nur in Kreuzberg, sondern in ganz Berlin. Um welche Transaktion es sich gehandelt hat, will das Amt nicht sagen. Den günstigsten Kaufwert ermittelten die Statistiker mit 247 Euro pro Quadratmeter in Spandau.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) legt den Blick auf eine rasche Bebauung der vorhandenen Grundstücke: „Wenn baureife Grundstücke zügig mit bezahlbaren Wohnungen bebaut und die erworbenen Immobilien auch im Sinne der Berliner Mieterinnen und Mieter bewirtschaftet werden, ist das eine gute Sache“, sagt sie. Leider sei das aber häufig nicht der Fall und hinter dem Erwerb stehe „vor allem die Erwartung an einen höheren Gewinn“. Die öffentliche Hand sei gefordert, gegen die zunehmende Spekulation mit baureifen Grundstücken vorzugehen.

Lompscher sieht zudem den Bund in der Pflicht, seine Grundstückspolitik zu ändern. Berlin habe den Verkauf von Bauland zum Höchstpreis längst eingestellt, der Bund müsse endlich nachziehen.