Werder (Havel) - In Werder (Havel) wird es im Jahr 2020 kein Baumblütenfest geben. Ein Vergabeverfahren wurde erfolglos beendet. „Wir haben einen Partner gesucht, mit dem wir das Baumblütenfest unseren Vorstellungen entsprechend neu ausrichten können“, teilte Bürgermeisterin Manuela Saß am Dienstag mit. Das sei nicht gelungen. „Es hat sich gezeigt, dass wir für einen echten und nachhaltigen Richtungswechsel eine andere Herangehensweise und mehr Zeit benötigen.“ Bevor es eine neue Ausschreibung gibt, will die Stadt nun gemeinsam mit Anwohnern und Stadtverordneten nach einer langfristigen Lösung suchen.

Das Baumblütenfest lockt jedes Jahr zehntausende Besucher 

Fragen, wie mit dem Thema Sicherheit und einem sich verändernden Publikum künftig umgegangen wird, hätten mit zum Scheitern der Vergabe beigetragen. Auch darum müsse es gehen, wenn man sich über die Zukunft des Festes unterhält, so Werders erster Beigeordneter, Christian Große. Die Aufhebung eines Vergabeverfahrens sei unbefriedigend. Sie sei in diesem Fall aber eine Chance für eine nachhaltige Neuausrichtung des Festes.

In diesem Jahr fand zum 140. Mal das Baumblütenfest in Werder statt. Die Festmeile zieht an zehn Tagen Anfang Mai jedes Jahr zehntausende Besucher an. Es gilt als mit Abstand größtes Volksfest in Brandenburg. Es ist einerseits ein große buntes Treiben, das von vielen als Massenbesäufnis geschmäht wird, weil dort große Mengen Obstwein ausgeschenkt werden und weil es einen großen Rummel gibt. Das zieht vor allem Jugendliche an und sorgt für gehöriges Konfliktpotenzial nicht nur wegen der Besoffenen, die aggressiv sind, sondern auch, weil viele Angetrunkene überall in der Öffentlichkeit hinpinkeln.

Stadtsprecher von Werder Henry Klix will in zwei Jahren wieder ein Baumblütenfest 

In den vergangenen Jahren entwickelte sich aber rings um Werder auch ein stilles Baumblütenfest in den Obstgärten und Plantagen. Dort waren eher die älteren Besucher anzutreffen, die mit dem Rad anreisten.

Immer wieder sorgten Ausschreitungen und Körperverletzungen aber auch Auschreitungen für Schlagzeilen. Bundes- und Landespolizei zählten beim letzten Fest im Mai dieses Jahres insgesamt 488 Straftaten. Ähnlich wie im Vorjahr waren ein Drittel davon Gewaltdelikte. Die Brandenburger Polizei registrierte 107 Körperverletzungen – 40 mehr als im Jahr zuvor.

„Wir gehen davon aus, dass wir in zwei Jahren wieder ein Fest veranstalten können“, sagte Stadtsprecher Henry Klix. (dpa, BLZ)