Berlin - Wenn der Flughafen Tegel wie geplant in der Nacht zum 3. Juni 2012 geschlossen worden wäre, würden die Bäume heute noch stehen. Doch weil der innerstädtische Airport auf unabsehbare Zeit in Betrieb bleibt, wurden sie jetzt gefällt, weil sie dem Flugverkehr im Weg sind. Im Waldgebiet der Jungfernheide hat das Forstamt Tegel zahlreiche hohe Kiefern und andere Bäume absägen lassen – zur „Herstellung der Flugsicherheit“, wie Spaziergänger auf Hinweisschildern lesen konnten. „Rund 150 Bäume waren betroffen“, sagte Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

„Das war ein Kahlschlag“, berichtete der Fotograf Matthias Winkler, der den Flughafen Tegel seit Jahrzehnten gut kennt. Die Waldarbeiter mit den Sägen rückten in einem Bereich an, der hinter dem nördlichen Flughafenzaun beginnt und vor allem von Hubschraubern überflogen wird. „Die letzte Fällaktion ist dort lange her“, so Winkler.

Zu den jüngsten Auslichtungen gab es keine Alternative, entgegnete Rohland. „Die Sicherheitsvorschriften sind streng.“ Die Bäume drohten zu hoch zu werden. Die Naturschutzbehörde habe die Fällungen genehmigt. Das Forstamt sei ohnehin bestrebt, den Anteil der Nadelbäume in dem Gebiet zu senken. Dort sollen wie früher Eichen vorherrschen, teilte die Sprecherin mit.

Anlieger drohen mit Klagen

Anwohner bekräftigten ihre Forderung, den Flugbetrieb in Tegel möglichst bald einzustellen. „Wir fordern Sie auf, Herrn Mehdorn Einhalt zu gebieten“, heißt es in einem Brief, den die Bürgerinitiative gegen den Fluglärm Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) sandte. „Derjenige, dessen mit Steuergeldern finanzierter Auftrag es ist, den Flughafen BER rasch an den Start zubringen, zögert die Komplettfertigstellung bewusst hinaus, um seine Privatagenda durchzusetzen: die Offenhaltung von TXL“, schreiben die Anwohner.

Falls Mehdorn den Weiterbetrieb durchsetzt, werde es Klagen geben, warnte Anlieger Johannes Hauenstein: „Klage Nummer 1 aus dem Berliner Norden auf sofortige Einstellung des Betriebs in Tegel. Klage Nummer 2 aus dem Süden auf Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses für den BER, weil mit einem Weiterbetrieb von Tegel die Planrechtfertigung entfällt.“

Wowereit bekräftigte, dass ein dauerhafter Weiterbetrieb von Tegel ausgeschlossen sei. Dies hätten der Bund, Berlin und Brandenburg deutlich gemacht, teilte der Senatschef auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Harald Moritz hin mit. „Für den Senat gibt es keinerlei Grund, das seit 1996 verfolgte Konzept eines Single-Flughafens in Schönefeld in Frage zu stellen oder neue Auseinandersetzungen um den Planfeststellungsbeschluss zum Flughafen BER anzustoßen.“

Er ging auch auf das Gutachten ein, in dem die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags rechtliche Möglichkeiten aufzeigen, Tegel weiterzubetreiben. Der Regierende: „Es handelt sich um eher rechtstheoretische Überlegungen, die zu falschen Schlüssen führen könnten.“