Die Zahlen, über die sich die Bewohner im nördlichen Pankow zurzeit mächtig aufregen, klingen wirklich gigantisch. Von 5000 neu gebauten Wohnungen ist da die Rede, die der Senat auf dem etwa ein Quadratkilometer Stück Land namens Elisabethaue errichten wolle und von bis zu 20.000 neuen Bewohnern, die darin wohnen würden, berichten die Nachbarn in den ruhigen Wohnsiedlungen Blankenfelde und Französisch-Buchholz.

Dort gibt es viele Kleingärten, Eigenheime, es ist ruhig und grün. Ina Kircheis-Schnabel wohnt im Schillingweg und schaut von ihrer Wohnung direkt auf das freie Feld, das bald zum Bauland werden soll. „Hier herrscht Entsetzen und ein riesengroßes Fragezeichen, wie sich der Senat das alles vorstellt“, sagt sie.

Mittelfristiges Projekt

So ganz genau kann das im Senat noch keiner sagen. „Wir stehen noch ganz am Anfang eines Prozesses“, sagt der zuständige Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Engelbert Lütke-Daldrup, der Berliner Zeitung. Auf der Elisabethaue sollen etwa 3000 Wohnungen gebaut werden, in denen später 5000 bis 6000 Menschen leben könnten. Staatssekretär Lütke-Daldrup spricht von „preisgünstigen Mietwohnungen“ und einer „dem Standort angemessenen Dichte“. Es werde sicher noch zwei bis drei Jahre dauern, ehe man mit dem Bau der Häuser beginnen könne. Elisabethaue sei ein „mittelfristiges Projekt“.

Die Fläche gehört dem Land Berlin und ist als Bauland im Flächennutzungsplan registriert. Die Idee, dort Wohnungen zu bauen, gab es schon vor zwei Jahrzehnten. Anlässlich einer geplanten 3. Bauausstellung sollten bis zum Jahr 2004 an fünf Standorten in Pankow und Weißensee über 8000 Eigenheime am Stadtrand entstehen, für die Elisabethaue waren 1600 Eigenheime geplant. Doch es fehlten die Investoren. Danach blieb es ruhig auf den früheren Rieselfeldern. Doch im Senat hat man die alten Konzepte und Baupläne gut aufbewahrt.

Im Frühsommer 2014 hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dem Bezirksamt Pankow mitgeteilt, dass auf dem Areal neue Wohnungen entstehen sollen. Berlin hat Flächen für den Bau von rund 220.000 Wohnungen an etwa 1000 Standorten. Bis zum Jahr 2025 werden wegen des erwarteten Bevölkerungszuwachses von 239.000 Menschen 137.000 neue Wohnungen benötigt, sie sollen auf städtischen Freiflächen entstehen. Erst vor wenigen Tagen hatte der designierte Senator für Stadtentwicklung, Andreas Geisel, im Gespräch mit der Berliner Zeitung gesagt, die wichtigste Aufgabe sei es, schnell bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Im Falle der Elisabethaue hat der Senat die städtischen Wohnungsbaugesellschaften Howoge und Gesobau beauftragt, mit der Planung für das Areal zu beginnen. Im Dezember startet ein Werkstattverfahren. Dabei wird es auch um die Frage gehen, wie die Infrastruktur für das neue Wohnviertel entwickelt wird. Benötigt werden Kindergärten, Schulen, Einkaufsmärkte sowie öffentliche Busse und Bahnen. Die Straßenbahnlinie 50 endet bisher am Rande der Elisabethaue, sie könnte verlängert werden.

Im Bezirk sieht man die Baupläne des Senats skeptisch. Das Bezirksamt präferiert eine behutsame Randbebauung entlang des Rosenthaler Weges. Die Pankower SPD wolle das Verfahren „kritisch begleiten“, sagt der Verordnete Roland Schröder. Es gehe vor allem um sozialverträgliche Mieten, viel Grün und einen leistungsstarken Nahverkehr. Und natürlich müssten die Anwohner am Verfahren beteiligt werden.

Ackerland in Bauernhand

Am Mittwochabend haben die Mitglieder der Bürgerinitiative ihren Protest den Pankower Bezirksverordneten vorgetragen. „Eilsabethaue ist Ackerland und gehört in Bauernhand“, steht auf einem Flyer. „Es gibt bisher keine vernünftige Abwägung aller Argumente und Interessen“, sagt Ina Kircheis-Schnabel.

Die Existenz der Landwirte, die das Areal bewirtschaften, sei gefährdet, die stadtklimatische Funktion der Elisabethaue werde zerstört, ebenso ein Erholungsgebiet und der dörfliche Charakter von Blankenfelde. Ein neues Viertel passe nicht in die Gegend und werde sich nicht in die bestehende Wohnstruktur einpassen. Die Eingesessenen fordern den Senat auf, keine falsch ambitionierte, blinde Bauwut gewähren zulassen. Anderswo gebe es viel besser erschlossene Flächen.