Berlin - Eines vorweg: Hertha BSC hat jedes Recht, aus dem Olympiastadion auszuziehen und ein eigenes Stadion zu bauen. Wer 70 Jahre lang Hauptmieter war, muss dies nicht noch einmal 70 Jahre lang sein. Daran ändert auch nichts, dass die denkmalgeschützte Schüssel von 1936 erst 2006 teuer umgebaut wurde. Dabei ging es um die WM, nicht um einen leider oft nur mittelmäßigen Bundesligisten. Heute taugt das (viel zu) weite Runde in Westend toll für das Pokalfinale vor enthusiastischen Fans aus der Provinz, die daraus ein Fest in der Hauptstadt machen („Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“) und vielleicht noch für Länderspiele.

Für den Ligabetrieb ist es mit seiner Laufbahn, seinen weiten Wegen und dem zu stumpfen Neigungswinkel der Tribünen hoffnungslos altmodisch. Kein Wunder, dass Hertha in der Rangliste der Stadionauslastung immer Letzter wird – egal, wie gut oder schlecht die Mannschaft spielt. Moderne, zeitgemäße Stadien sind eng, nah und laut. Dort ist die Stimmung auch dann gut, wenn einmal nicht so viele Zuschauer da sind. Vorbilder sind die Arenen in Frankfurt, Stuttgart oder Hamburg. So etwas will auch Hertha BSC.

Erst recht, da der in der Vergangenheit oft klamme Club momentan offenbar in der Lage ist, den Neubau privat zu finanzieren. Doch all das setzt voraus, dass Hertha klug handelt. Den Verantwortlichen muss klar werden, dass sie für ihren Neubau auf dem dafür bestens geeigneten Olympiapark gleich nebenan die Politik brauchen, weil diese ihnen den Grund und Boden verpachten muss. Sie müssen in die Offensive gehen und die Öffentlichkeit überzeugen. Dass sie das bisher nicht einmal versucht haben, ist unverständlich und enttäuschend.