Auf der Rückseite des Roten Rathauses soll ein Stück altes Berlin wieder entstehen. Kern der Planung: Die autobahnähnliche Grunerstraße wird verlegt und deutlich schmaler entlang von Rathaus und Rathauspassagen neu gebaut. Die so frei werdenden Flächen etwa vor dem Alten Stadthaus sowie an der Ruine der Klosterkirche sollen wieder bebaut werden – mit Wohn- und Bürohäusern, Gastronomie sowie touristischen und kulturellen Einrichtungen. Einen entsprechenden Bebauungsplan für das Gebiet Molkenmarkt und Klosterviertel, das von der Gruner- sowie der Stralauer Straße begrenzt wird, hat der Senat am Dienstag beschlossen.

Den Molkenmarkt kennt niemand

„Wir haben jetzt die Chance, einen der ältesten Stadtteile im historischen Zentrum Berlins wieder für die Menschen zurückzugewinnen. Wo heute eine sechsspurige Straße den Raum dominiert, schaffen wir ein urbanes und lebenswertes Stadtquartier“, sagte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD).

Während die Klosterstraße zumindest im Gedächtnis der Berliner verankert ist, weil es dort eine U-Bahn-Station gibt, fragt man sich: Wo ist eigentlich der Molkenmarkt? Denn an den einstigen Marktplatz, auf dem schon vor der Gründung Berlins im 13. Jahrhundert gehandelt und gefeilscht wurde, erinnert nichts mehr. Er ist heute Kreuzung von Gruner-, Spandauer- und Stralauer Straße, von riesigen Verkehrstrassen zerschnitten. Wie Geisel sagt, habe der Ort seine Bedeutung als lebendiges Stadtquartier mit Aufenthaltsqualität verloren.

440 neue Wohnungen

Das will der Senat ändern und historische Zeugnisse zurückgewinnen. So wurden Spuren der mittelalterlichen Stadt sowie Reste alter Häuser bei archäologischen Grabungen vor drei Jahren wiederentdeckt. Etwa der Große Jüdenhof, Anlagen des einstigen Franziskanerklosters und der benachbarten Schule „Graues Kloster“, die neu errichtet werden soll. Laut Senat wird der Straßenumbau erst beginnen, wenn die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 abgeschlossen ist – also erst 2020. In dem Stadtquartier sind 440 neue Wohnungen vorgesehen.

Beschlossen wurde vom Senat zugleich die Planung für den Petriplatz, dem Gründungsort von Cölln. Die ausgegrabenen Fundamente der Petrikirche und der Cöllnischen Lateinschule sollen in einem archäologischen Besucherzentrum präsentiert werden. Am Standort der Kirche entsteht ein neues Kultur- und Religionshaus – das House of One, ein Bet- und Lehrhaus für Juden, Christen und Muslime.