Die evangelische Dorfkirche von Blankenburg im Nordosten Berlins heißt einfach Dorfkirche. Kein Sankt Irgendwer schmückt den Namen. Offenbar gab es keinen Heiligen weit und breit, den man mit dem stolzen Gemäuer, dessen Anfänge sich bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückdatieren lassen, in Verbindung bringen wollte. Dabei gibt es in dem ehemaligen Dorf, das seit 1920 zu Berlin gehört, durchaus Anlass für eine Sankt-Nennung. Wie wäre es mit Sankt Nimmerlein für das große Bauvorhaben im Süden des heutigen Ortsteils von Pankow?

Bis zu 6000 Wohnungen sollen in Pankow gebaut werden

Das Vorhaben, derzeit eines der größten in Berlin überhaupt, wird nach Lage der Dinge nicht vor dem Jahr 2021 entschieden. Das bestätigt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen – von Bauen ist in dem länglichen Titel nicht die Rede. Das ist insofern pikant, als dass 2021 das Abgeordnetenhaus neu gewählt wird. Es ist also wahrscheinlich, dass die Entscheidung auf die nächste Legislaturperiode vertagt wird: das Prinzip Sankt Nimmerlein.

Dabei steht seit Jahren fest, dass auf der annähernd 420 Hektar großen, teils landwirtschaftlich genutzten Fläche zwischen Blankenburg, Heinersdorf und Französisch Buchholz ein neues Stadtquartier entstehen soll. Doch als voriges Jahr herauskam, dass die Verwaltung mit bis zu 10.000 Wohneinheiten plante, war das Entsetzen unter den Anrainern groß. Prompt ruderte Senatorin Katrin Lompscher (Linke) zurück. Längst ist nur noch von „bis zu 6000 Wohneinheiten“ auf dem 90 Hektar großen Kerngebiet die Rede.

Senat muss sich mit Anwohnern über Bauprojekt abstimmen

Der ursprüngliche Zeitplan, dass noch in diesem Jahr eine endgültige Entscheidung über die Bebauung, zu der zum Beispiel auch Schulen gehören, fallen könnte, war damit hinfällig. Die derzeitige Zeitplanung sehe den „Abschluss der vorbereitenden Untersuchungen für Ende 2020/Anfang 2021 vor, sodass auf deren Grundlage der Senat in Abstimmung mit dem Abgeordnetenhaus 2021 eine Entscheidung treffen kann“, heißt es in einer Mitteilung der Senatsverwaltung. Denkbar sei es, das Projekt als „Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“ zu realisieren.

Bis dahin steht aber noch ein langer Abstimmungsprozess an – unter anderem mit den Anwohnern. So findet seit November jeden Dienstag eine Sprechstunde in Blankenburg selber statt, in der über den aktuellen Planungsstand berichtet wird. Nach den Sommerferien soll zudem ein städtebauliches Werkstattverfahren starten, in dem Architekten städtebauliche Testentwürfe und -planungen erarbeiten sollen. Auch dabei sei eine Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen, heißt es.

Die Senatsverwaltung weist in ihrem Schreiben darauf hin, dass am Planungsprozess eine Vielzahl von Akteuren beteiligt sei. Zahlreiche Abläufe und Verfahrensschritte müssen ineinandergreifen. „Wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen im Sinne der zügigen Realisierung des Projektes, wird der oben genannte Zeitplan auch eingehalten.“ Die Opposition wird das nicht davon abbringen, Katrin Lompscher weiterhin als „Nicht-Bausenatorin“ zu titulieren.