Berlin - Während die Hochhäuser am Alexanderplatz – optimistisch gerechnet – vielleicht erst in ein paar Jahren gebaut werden, interessieren sich Investoren jetzt für die unmittelbare Umgebung. Vor allem das Gebiet nördlich der Alexanderstraße gegenüber vom Hotel Park Inn erlebt offenbar einen Aufschwung. Mehrere Hotels sowie das Hofbräu Berlin haben dort schon eröffnet. Nun will das Berliner Unternehmen Sonus zwei weitere Vorhaben verwirklichen. Wie Geschäftsführer Wilfried Euler sagt, solle der Baubeginn Anfang 2013 sein.

Dabei wird ein Schandfleck verschwinden – das Parkhaus in der Keibelstraße 6 hinter dem Bundesumweltministerium. Euler will es abreißen lassen und zusammen mit der Westfälischen Grundbesitz aus Düsseldorf mehrere Wohn- und Geschäftshäuser errichten. Wie deren Sprecher Heinrich Raatschen sagt, seien im Erdgeschoss eine Kita, ein Supermarkt und Arztpraxen vorgesehen.

In den oberen Etagen der gut 30 Meter hohen Gebäude sind 310 Wohnungen geplant. Mit der Architektur ist Senatsbaudirektorin Regula Lüscher aber nicht zufrieden. Wie bei allen Bauvorhaben in der City drängt sie auf einen Gestaltungswettbewerb. Wiederholt gab es Kritik an den neuen, oft monoton gestalteten Fassaden am Alex.

Anwohner protestieren

Dass ein Wettbewerb jedoch nicht unbedingt zum gewünschten Ergebnis führt, musste die Senatsbaudirektorin jüngst bei einem Hotelkomplex wenige Meter entfernt an der Otto-Braun-Straße erfahren. Dort hat Anfang Mai ein Holiday Inn (242 Zimmer) sowie ein Boutique-Hotel Indigo (153 Zimmer) der Intercontinental Hotels Group eröffnet. Für die Gebäude konnte Lüscher einen Wettbewerb durchsetzen, realisiert wurde aber nur der drittplatzierte Entwurf mit einer eintönigen Aluminiumfassade.

Neue Wohnungen und Büros sollen auf dem Parkplatz an der Moll-Ecke Otto-Braun-Straße entstehen. Auch das Vorhaben von Sonus ist umstritten. Anwohner protestieren, weil ihrer Ansicht nach die Abstände zu ihren Wohnungen nicht eingehalten werden. „Wir wollen nicht in einem Hinterhof leben“, sagen sie. Laut Lüscher wird der Investor nun einen Flügel nicht errichten, zudem baut er eine Etage niedriger.

Auf die Alex-Hochhausplanung will der Senat trotz des derzeit geringen Interesses nicht verzichten. „Wir sind mit den Investoren im Gespräch, auch andere städtebaulichen Lösungen zu entwickeln.“ Die Umplanungen müssten aber freiwillig und auf Initiative der Investoren erfolgen, „sonst bekommen wir ein Entschädigungsproblem“, so Lüscher. Bislang halten die Investoren an ihren Hochhausplänen fest.