Bausenator Andreas Geisel (SPD): Berlin plant Bau von zehn neuen Siedlungen mit 50.000 Wohnungen

Die Aufgabe ist gigantisch. Die Einwohnerzahl Berlins steigt laut jüngsten Prognosen in den nächsten fünf Jahren um bis zu 365.000 Menschen. Das entspricht etwa der Größe Bochums. Damit alle Neu-Berliner ein Dach über dem Kopf erhalten, müssen jährlich 15.000 bis 20.000 Wohnungen errichtet werden, sagte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) am Montag.

„Berlin hat noch Bauflächen für die wachsende Stadt“, sagte Geisel. Es gebe ein Potenzial für 150.000 Wohnungen. Um zusätzlich rund 400.000 Menschen unterzubringen, reichten die Flächen aber nicht aus. Künftig müsse auch höher gebaut werden. Da die neuen Wohnungen nicht nur in Baulücken und durch Dachgeschossausbau entstehen können, setzt Geisel auf Bauen im großen Stil.

Fünf Standorte gesucht

In Berlin sollen in den nächsten Jahren zehn Siedlungen mit 50.000 Wohnungen errichtet werden, kündigte er an. Fünf Siedlungen sind in Lichterfelde-Süd in Steglitz, auf den Buckower Feldern in Neukölln, in der Heidestraße in Mitte, auf der Elisabethaue in Pankow und im Kurt-Schumacher-Quartier auf dem Flughafen Tegel geplant, wenn dort der Flugbetrieb eingestellt wird. Die anderen fünf Standorte stehen noch nicht fest.

Das Besondere: Zunächst sollen an den Standorten Unterkünfte in einem Sofortprogramm „Pionier-Wohnungsbau für Flüchtlinge“ errichtet werden. Geisel bezeichnete diese Wohnungen als „Nukleus“ der Siedlungen, also als deren Kern. Diese Wohnungen sollen nach dem vereinfachten Baurecht errichtet werden, das für Flüchtlingsunterkünfte geschaffen wurde. Die übrigen Wohnungen sollen anschließend um die Flüchtlingswohnungen herum entstehen.

Heftige Proteste

Die Idee sei, keine isolierten Wohn-Standorte für Flüchtlinge zu errichten, so Geisel. Zugleich ebnet der Senator auf diese Weise aber großen Bauprojekten den Weg, gegen die es bislang teils heftige Proteste von Anwohnern gab – beispielsweise in Lichterfelde-Süd und in der Elisabethaue. An den zehn Standorten sollen 3000 Wohnungen für Flüchtlinge entstehen.

In welcher Bauweise die Pionier-Wohnungen errichtet werden, ist noch offen. Bei ihnen handelt es sich aber nicht um die modularen Unterkünfte für 24.000 Flüchtlinge, die aus überwiegend vorgefertigten Elementen geplant sind. Wie berichtet, sollen die modularen Unterkünfte an 60 Standorten über Berlin verteilt errichtet werden.

Geisel sagte, die Liste der Flächen werde in Kürze veröffentlicht. Die ersten modularen Unterkünfte sollen im Spätherbst 2016 fertiggestellt werden. Alle Unterkünfte würden mit Aufzügen ausgestattet. So sollen sie später als Senioren-Wohnungen genutzt werden können.

Von den bis zu 20.000 Wohnungen, die jedes Jahr gebraucht werden, sollen 6000 von den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften errichtet werden, sagte Geisel. Die übrigen 14.000 müssten von privater Seite kommen.

10.000 Wohnungen von landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften

Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften würden in diesem Jahr den Bau von mehr als 10.000 Wohnungen auf den Weg bringen, erklärte Geisel. Das scheint jedoch etwas übertrieben: Tatsächlich beginnt in diesem Jahr der Bau von rund 6000 Wohnungen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die kommunalen Unternehmen den Bau von etwa 3000 Wohnungen gestartet. 1614 Wohnungen der landeseigenen Unternehmen sollen in diesem Jahr fertiggestellt werden. Von den insgesamt rund 10.665 neuen Wohnungen der Landes-Unternehmen werden 3694 mit Anfangsmieten von durchschnittlich 6,50 Euro je Quadratmeter kalt angeboten. Das sind die Mieten für Sozialwohnungen.

In diesem Jahr gibt es Geld für den Bau von 2500 Sozialwohnungen, im nächsten Jahr für 3000 Sozialwohnungen. Das reicht nicht aus, um den Wegfall von alten Sozialwohnungen aus der Bindung auszugleichen. Und es reicht nicht, um die Berliner Mischung in den neuen Wohnsiedlungen zu bewahren, denn etwa 55 Prozent der Haushalte haben Anspruch auf eine Sozialwohnung. Geisel sagte denn auch, dass die Zahl der Sozialwohnungen nach 2017 steigen soll: auf 5000 bis 6000 pro Jahr. Es sei die Aufgabe, das Wachstum der Stadt sozial zu organisieren, erklärte Geisel. „Das können wir.“