Bausenator bringt Flughafen Tempelhof als Standort für Bibliothek ins Gespräch

SPD-Politiker Andreas Geisel sieht Risiken für Neubau der Zentral- und Landesbibliothek am Blücherplatz. Kulturverwaltung verteidigt die Planung.

Blick auf den stillgelegten Flughafen Tempelhof: Das Gebäude hat eine Fläche von 300.000 Quadratmetern.
Blick auf den stillgelegten Flughafen Tempelhof: Das Gebäude hat eine Fläche von 300.000 Quadratmetern.IMAGO/Frank Sorge

Eigentlich steht seit Langem fest, dass die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) am Standort der Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) am Blücherplatz einen Neubau erhalten soll. Doch aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung werden nun Argumente geliefert, die gegen den Neubau sprechen. Zumindest indirekt bringt Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) das Gebäude des stillgelegten Flughafens Tempelhof als Domizil für die Bibliothek ins Gespräch.

Geisel sagte am Montag im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses, dass die Kosten für den ZLB-Neubau von anfänglich 350 Millionen Euro auf nunmehr fast 500 Millionen Euro gestiegen seien. Der ZLB-Neubau sei mit einer geplanten Fläche von 38.000 Quadratmetern fast so groß wie das Einkaufszentrum Alexa (42.000 Quadratmeter) am Alexanderplatz.

Wenn eine solche Baumasse von 38.000 Quadratmetern vor der Amerika-Gedenkbibliothek errichtet werde, sei diese „nicht mehr zu sehen“, so Geisel. „Deswegen sagt der Denkmalschutz, dieses Gebäude davorzustellen, geht nicht.“ Wenn der ZLB-Neubau hinter der AGB errichtet werde, sei die Baumasse trotzdem noch so groß, dass das vorhandene Ensemble „dramatisch verändert“ werde. Deswegen werde nun erwogen, den AGB-Neubau stärker ins Erdreich zu verlagern. Dazu müsste aber der Grundwasserspiegel abgesenkt werden, was Auswirkungen auf die Vegetation und die Baukosten habe. Das seien die Herausforderungen am Blücherplatz.

Geisel: Ohne zentrale Nutzung ist Tempelhof nicht zu halten

„Davon getrennt“, wie Geisel betont, weise er darauf hin, dass im Gebäude des stillgelegten Flughafen Tempelhof 300.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stünde. Der Sanierungsaufwand des Gebäudes, der vor rund zehn Jahren auf 500 Millionen Euro beziffert wurde, werde mittlerweile auf 1,5 Milliarden Euro beziffert. „Das Grundproblem ist, dass wir zwar kleinere Nutzungen für das Tempelhof-Gebäude haben, aber keine zentrale Nutzung“, so Geisel. Ohne eine zentrale Nutzung sei das ehemalige Flughafengebäude „auf Dauer nicht zu halten“.

Eine Strategieänderung sei nötig, sagt Geisel. Selbstverständlich seien der ZLB-Neubau und die Nutzung des Tempelhof-Gebäudes „zwei voneinander getrennte Dinge“, versichert er. Die Entscheidung über den ZLB-Standort müsse die zuständige Fachverwaltung treffen, also die von der Linken geführte Senatsverwaltung für Kultur. Aber die Diskussion um den Standort der ZLB hat Geisel damit eröffnet.

Die Senatsverwaltung für Kultur verteidigt die Planung für den ZLB-Neubau am Blücherplatz. Seit 2015 sei bei verschiedenen Untersuchungen „die baufachliche Machbarkeit eines ZLB-Neubaus am Standort Blücherplatz immer bestätigt“ worden, so ein Sprecher. Seit September 2021 liege ein baufachlich geprüftes Bedarfsprogramm vor. Es sei nicht notwendig, über den Standort neu nachzudenken. Die Standortentscheidung sei getroffen. Es liege seit 2018 ein Senatsbeschluss vor.

Hochbauwettbewerb soll im Jahr 2023 starten

Tempelhof hingegen sei „als Standort nicht geeignet und konnte in keiner Studie als Standort empfohlen werden“. Ziel sei es, im Jahre 2023 „einen hochbaulichen Realisierungswettbewerb mit einem freiraumplanerischen Ideenteil für den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek Berlin am Blücherplatz durchzuführen“, so der Sprecher. Auf Grundlage des Wettbewerbsergebnisses werde im Zuge der weiteren Planungen ein Rahmenterminplan entwickelt.

Wenig erfreut über die Diskussion zeigt sich die ZLB. „Es kann nicht sein, dass immer wieder von vorne geplant wird, Berlin wartet und braucht den Neubau der Bibliothek, alles ist nunmehr fertig für den Architekturwettbewerb“, sagt ZLB-Sprecherin Anna Jacobi. Bei einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung habe der Standort an der AGB weit vor dem Standort Tempelhof gelegen. Das vom Senat geprüfte Bedarfsprogramm der ZLB lasse sich zudem nicht im Flughafengebäude realisieren.