Von einer Großbaustelle in Schönefeld zu sprechen, wäre derzeit übertrieben. Denn das Baugeschehen im Terminal, dem entscheidenden Teil des neuen Flughafens BER, ist fast vollständig zum Erliegen gekommen. Wohl kein Gewerk war von der Verschiebung des Eröffnungstermins nicht betroffen. Wie es jetzt weitergehen soll, wo mit den Arbeiten wieder begonnen wird, darüber soll sich der neue Technik-Geschäftsführer Horst Amann nun im Klaren sein.

Sicher ist, die Entrauchungs- und Brandschutzanlage ist vielleicht das größte, aber längst nicht das einzige Problem. In den verschiedensten Bereichen des Terminals habe Amann gravierende Mängel festgestellt, erfuhr die Berliner Zeitung aus Kreisen der Flughafengesellschaft FBB. Vor allem aber: Es fehlen genaue Pläne über die Ausführung und den Verlauf der Kabelschächte und Stränge, die das 220 Meter lange und 180 Meter breite Gebäude durchziehen. Die Unterlagen, die das Planungsbüro gmp nach seiner Kündigung im Mai hinterlassen hat, seien weder vollständig noch qualitativ ausreichend. Die Papiere ähnelten mehr einem „Flickerl-Teppich“ als einer konkreten Planung, heißt es. Für viele Stellen müsse gänzlich neu geplant werden. Das Planungsbüro sei offensichtlich überfordert gewesen, heißt es in Aufsichtsratskreisen.

Konkret vorgesehen ist bereits, dass ein Großteil der überlasteten Zwischendecken um bis zu 40 Zentimeter tiefer gehangen werden soll, um Platz für die erweiterten oder neuen Schächte zu schaffen. Einige Kabel müssen komplett neu verlegt werden.

Viele Fragen sind auch beim Brandschutz offen. Bei Anlagen dieser Dimension gibt es mehr als 360 Szenarien, die durchgespielt werden müssen, von geringer Rauchentwicklung bis zum Großbrand. Bislang wurde nur ein kleiner Teil getestet. Ob auch die anderen, noch nicht fertiggestellten Teile einzeln und auch als komplette Anlage funktionieren, lässt sich noch lange nicht ausprobieren.

Terminal zu klein geplant

Für ein Problem haben die Planer noch keine schnelle Lösung: Das Terminal ist zu klein geplant und bereitet zunehmend Sorgen. Denn bis zur Eröffnung im Oktober 2013 dürfte die Zahl der Passagiere weiter wachsen – und möglicherweise nah an die BER-Kapazität von 27 Millionen Fluggästen kommen. Schon in diesem Jahr wird wohl die 25-Millionen-Grenze erreicht.

Fast alle der Reisenden haben Berlin als Start- oder Zielpunkt gewählt. So gibt es Zweifel, ob die 96 Check-in-Schalter, die in Schönefeld vorgesehen sind, ausreichen. Am Flughafen Frankfurt, wo von insgesamt 56 Millionen Passagieren etwa 27 Millionen von oder nach Frankfurt wollen, stehen 383 Schalter zum Einchecken bereit.

Auch die acht Gepäckausgabebänder, die am BER eingebaut sind, dürften bald überlastet sein. Sie reichen gerade für 10 Millionen Passagiere im Jahr, sagen Experten.

In der Flughafengesellschaft wird bereits darüber diskutiert, eines der Parkhäuser am Terminal wieder abzureißen, um Platz für einen Erweiterungsbau zu schaffen. Zwar sind zwei Satellitenterminals bereits rechtlich genehmigt – die Planungen dafür haben aber noch nicht einmal begonnen.