Berlin - Endlich wurde es auch von den Betreibern des Humboldt Forums eingestanden: Der bisher zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt im September angekündigte Eröffnungstermin ist nicht zu halten. Bei einem als Baustellenrundgang angekündigten Pressetermin gab der neue Generalintendant Hartmut Dorgerloh am Mittwoch bekannt, er werde dem Stiftungsrat am 26. Juni vorschlagen, das riesige Haus mit seinen drei großen Museen, den Ausstellungen zur Geschichte des Orts, Cafés, Geschäften und Veranstaltungssälen erst im nächsten Jahr zu eröffnen. Wann genau, sei noch nicht klar. Die das Projekt betreuende Bundesbauverwaltung habe nämlich erst jüngst festgestellt, dass die für die Ausstellungen notwendigen Klimaanlagen nicht vollständig funktionierten. Bei laufenden Bauarbeiten könnten diese auch nicht erprobt und abgestimmt werden.

Die Verschiebung der Eröffnung könnte auch gut für das Humboldt Forum sein

Tatsächlich zeigt sich das Humboldt Forum weit über die Klimaanlagen hinaus noch als Baustelle. In vielen Räumen ist noch der rohe Beton zu sehen, in Treppenhäusern werden gerade erst Kabelkanäle gestemmt, sogar die Faschen der Fenster sind noch grob. Nur in einigen Ausstellungssälen sind die Ausbauarbeiten so weit vorangeschritten, dass die Vitrinen schon aufgerichtet werden können. Kaum verwunderlich also, dass die Staatlichen Museen und das Berliner Stadtmuseum schon vor Monaten nur von Teileröffnungen ihrer Dauerausstellungen sprachen, vergangene Woche auch bekannt wurde, dass die zur Eröffnung geplante Elfenbeinausstellung nicht bestückt werden könne.

Ist das Humboldt Forum jetzt ein neuer BER? Dorgerloh versicherte, dass es sich nur um eine Verschiebung um einige Monate handele und die Kosten gehalten würden. Allerdings müsse man die als Reserve angesparten 78 Millionen Euro angehen, da der Bauboom die Kosten steigen lasse. Abgesehen von der Frage, warum die Bauverwaltungen erst jetzt die Reißleine zogen, obwohl auch die Umplanungen oft jahrelang bekannt waren, kann doch konstatiert werden: Diese Verschiebung könnte einmal als Glück für das Humboldt Forum betrachtet werden. Erstens sind die Museen mit ihren Besitzstandsrecherchen und Restaurierungsprojekten bei weitem noch nicht so weit wie geplant. Auch die für diesen Donnerstag angekündigte Vorstellung des Weiterkonzepts für die Museumsbauten in Dahlem als Depot- und Forschungszentrum wurde am Mittwoch plötzlich abgesagt. Außerdem gibt die Verzögerung die Chance, die teilweise schon vor fast 20 Jahren entwickelten Ausstellungskonzepte noch zu verbessern, um etwa die Kolonial- und die Widerstandsgeschichte, die Erwerbungsgeschichte oder die kulturelle Nähe Europas zur Welt zu integrieren.

Eine Verschiebung um wenige Monate ist kein Problem - wenn es dabei bleibt

Auch die von den drei Gründungsintendanten zerschlagene Idee umfassender Ausstellungen etwa zu Nordamerika oder China könnte wieder zusammengeflickt, mancher Wechselausstellungs- wieder Dauerausstellungsraum werden. Wenn die Planer des Forums es nicht so machen wie lange Zeit diejenigen des BER, also eisern an Plänen festhalten, sondern sich neuen Ideen öffnen. Die Verschiebung ist auch eine Chance – auch dafür, das Riesenhaus nicht in einem großen Schlag, sondern nach und nach zu eröffnen und damit die Freude des Neuanfangs immer wieder zu erleben. So wie einst zwischen 1970 und 1974 bei den Museen in Dahlem. Eine Verschiebung um einige Monate ist bei einem Projekt dieser Größenordnung noch kein großes Problem. Wenn es dabei bleibt.