Ein „Baustellenprogramm der Superlative“ ist den Fahrgästen der Berliner S-Bahn für diesen Sommer versprochen worden. Nun geht es los – und zwar im Osten der Stadt. Als erstes müssen sich die Nutzer der Linie S 3 auf geschlossene Bahnhöfe, Schienenersatzverkehr (SEV) und längere Reisezeiten gefasst machen. Von Mittwoch an wird die Strecke aus Erkner zwischen den S-Bahnhöfen Karlshorst und Ostkreuz unterbrochen – fünf Tage lang. Erst ab Montag kommender Woche sollen dort wieder S-Bahn-Züge fahren.

„Bitte planen Sie eine Reisezeitverlängerung von 20 Minuten ein“, heißt es in den Faltblättern, die an die Fahrgäste verteilt werden. Zwei SEV-Buslinien werden eingerichtet. Schnellbusse verbinden Karlshorst und Ostkreuz, laut Plan in 13 oder 14 Minuten. Zwischendurch halten sie nur in der Hauptstraße. Die Lokalbusse sind länger unterwegs, und sie nehmen eine andere Route: Karlshorst – Nöldnerplatz. Stopps gibt es unter anderem in der Mellensee- sowie in der Michiganstraße.

Die S-Bahn rät den Kunden aber auch, sich nach weiträumigen Umfahrungen umzusehen – zum Beispiel mit den Regionalzügen, die Erkner und Karlshorst mit dem Zentrum verbinden, oder mit der Straßenbahn zum U-Bahnhof Tierpark.

Anlass der Sperrung auf der Linie S 3: Der Umbau des Bahnhofs Ostkreuz, der 2006 begann und bis 2018 dauern soll, erreicht eine neue Etappe. „Die Züge der S 3 halten drei Jahre lang an einem anderen Bahnsteig als bisher“, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner. Der Ostkreuz-Bahnsteig E mit dem Gleis 3, wo die Züge nach Erkner bislang stoppen, wird abgerissen. Um Platz zu schaffen, wird die S 3 bis Sommer 2017 an den neu erbauten Regionalbahnsteig zum Gleis 2 des Ostkreuzes verlegt.

Der intern Ru genannte Bahnsteig, an dem später die Züge nach Frankfurt(Oder), Magdeburg, Cottbus und zu anderen Zielen halten werden, liegt zwar ebenfalls in der unteren Ebene des Ostkreuzes. Trotzdem beschert die Verlegung den Fahrgästen neue Unbequemlichkeiten. Bisher mussten sie beim Umsteigen aus Richtung Innenstadt zur S 3 am Ostkreuz nicht den Bahnsteig wechseln. Ab Montag heißt es: Treppen steigen. Auf dem Weg zur S-Bahn nach Erkner müssen die Stufen zum oberen Bahnsteig erklommen werden, mühselig für Behinderte, Senioren und für Fahrgäste mit Gepäck oder Kinderwagen. Von dort geht es zum neuen S 3-Bahnsteig hinunter. Erst nach einer weiteren Umorganisation des Verkehrs sollen alle Umsteigewege am Ostkreuz barrierefrei sein. Ab Oktober erleichtern Rolltreppen und Aufzüge überall den Bahnsteigwechsel.

Stadtbahn nach WM-Finale dicht

Von der S 3-Sperrung sind 55.000 Fahrgäste betroffen. Noch größere Auswirkungen wird ein anderes Projekt haben: die Sanierung der Stadtbahn, die sich von Ost nach West durch die Innenstadt zieht. Vom 14. Juli bis 3. August fahren zwischen Zoo und Friedrichstraße keine S-Bahnen, vom 4. bis 25. August ist die S-Bahn-Strecke zwischen Friedrichstraße und Ostbahnhof dicht.

Der Fahrgastverband IGEB kritisierte, dass an den Stationen keine S-Bahn-Bauinfos mehr ausliegen. Die S-Bahn hatte die Publikation mit Max, dem Maulwurf, im März nach fast 20 Jahren eingestellt. „Kundenfeindlich“, so der Verband. S-Bahn-Chef Buchner erklärte: „Die Bauinfos gab es nur in einer Auflage von 15.000, sie konnten mangels Platz nur kursorisch informieren. Jetzt verteilen wir im Umfeld der einzelnen Bauprojekte Infoblätter in einer viel höheren Auflage.“