Berlin - Zunächst zeigte die Staukarte im Internet meist grün oder gelb. Das heißt: Der Verkehr fließt, allenfalls stockt er etwas. Auf dem Mühlendamm in Mitte blieb der befürchtete Dauerstillstand zumindest bis zum Mittag aus. Obwohl in Ostrichtung statt drei nur noch zwei Fahrstreifen zur Verfügung stehen und die Busspur entfallen ist, ging es halbwegs voran. Doch am Nachmittag änderte sich das. In der Karte erschien eine rote Markierung: Stau!

Ab Dienstag weitere Verengung auf dem Mühlendamm

Zu Recht warnt die Verkehrsinformationszentrale Berlin vor „erheblichen Stauerscheinungen, besonders in den Berufsverkehrszeiten“. Von Dienstag an wird der Mühlendamm auch in Richtung Westen nur noch zwei Fahrstreifen haben.

Auf der stark genutzten Ost-West-Verbindung müssen sich Autofahrer daran gewöhnen, dass die Fahrt länger dauert. Die archäologischen Ausgrabungen, Ursache der Engstelle, sind Vorboten des geplanten Straßenumbaus in dem Bereich, der bis 2022 dauern soll. Zentrum ist der Molkenmarkt – einst der älteste Marktplatz von Berlin, heute die große Kreuzung am Roten Rathaus.

350 Parkplätze fallen weg

Wo die Autofahrer heute noch auf einer breiten Verkehrsschneise aus DDR-Zeiten geradeaus fahren können, geht es künftig um die Ecke. Aus einem Knotenpunkt werden zwei Teilknoten – so entsteht Platz für eine Bebauung, unter anderem mit 450 Wohnungen. Die Grunerstraße und der Mühlendamm haben künftig drei Fahrstreifen pro Richtung, im Vergleich zu heute ist das eine Kapazitätseinschränkung. 350 Parkplätze und die Busspuren fallen weg. Dafür wird Platz für Radfahrer geschaffen – und für die geplante Straßenbahntrasse zum Potsdamer Platz.

Im Planwerk Innenstadt, das 1999 erschien, war die Umgestaltung der unwirtlichen Schneise von 1969 ein zentrales Vorhaben. Doch es ging kaum voran, auch weil es Kritik gab. 2007 wiesen vom Senat beauftragte Gutachter darauf hin, dass sich nach dem Umbau der erwartete Verkehr gerade noch abwickeln ließe – aber nur, wenn die Belastung in der gesamten Innenstadt weiter sinke. In der Stralauer Straße drohe Rückstau, in den schmal gewordenen Straßenzügen würden die Grenzwerte für Lärm und Feinstaub überschritten. 

„Es gibt keine Ausweichrouten“

Erst 2016 wurde der Bebauungsplan Molkenmarkt festgesetzt. Bisher sollten der Straßenumbau beginnen, wenn Unter den Linden nach der Fertigstellung der U5 wieder baustellenfrei ist – nach 2020. Jetzt starten sie im zweiten Quartal 2019. 

Die Opposition, der ADAC und Wirtschaftsverbände warnen davor, die Straßenverbindung zwischen Alexanderplatz und Potsdamer Platz einzuschränken. „Ein Fahrstreifen pro Richtung fällt weg, das sehen wir sehr kritisch“, sagte Oliver Friederici von der CDU. Wenn dann noch die Straße Unter den Linden fußgängerfreundlich umgestaltet werde, drohe der Stillstand. „Es gibt keine Ausweichrouten“, warnte Friederici.