Hochbetrieb am Ostkreuz. Die Bahnanlagen sind fertig, doch es gibt weiterhin einiges zu tun. Außerdem wird die S3, die unter anderem hier verläuft, gesperrt.
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Was ist schlimmer als Baustellen? Keine Baustellen! Das meint Peter Buchner, der Chef der Berliner S-Bahn. Wenn Gleise und Weichen erneuert und in Schuss gehalten werden, ist das grundsätzlich positiv, sagt er. „Das letzte, was wir brauchen können, sind dauerhafte Langsamfahrstellen.“ Nun zeichnet sich ab, welche neuen baubedingten Beeinträchtigungen auf die S-Bahn-Fahrgäste in Berlin und Brandenburg zukommen. Die Deutsche Bahn (DB), für die Anlagen zuständig, hat erste Details ihres Bauprogramms für 2016 veröffentlicht.

Bus statt S-Bahn lautet die Devise. Oder kurz SEV – Schienenersatzverkehr. So viel steht fest: Auch im kommenden Jahr müssen sich die S-Bahn-Kunden wieder auf einige Großbaustellen einrichten. Auffällig ist, dass auch zwei stark frequentierte Strecken unterbrochen werden: der Ring, der die Innenstadt umschließt, und die Stadtbahn, die von Ost nach West mitten durch das Berliner Zentrum führt.

„Auf dem Ring wird im Frühjahr und Sommer gebaut“, berichtete S-Bahn-Chef Buchner. So setzt die DB die Gleiserneuerung im Westen, die sie in diesem Jahr begonnen hatte, 2016 fort. Nach jetzigem Stand wird der Ringabschnitt zwischen Halensee und Westend vom Abend des 18. März bis in die Nacht zum 18. April gesperrt. Fahrgäste müssen auf Busse umsteigen. Zum gesperrten Teilstück gehört auch der obere Bahnsteig des Knotenpunkts Westkreuz – Umsteiger sollten sich andere Routen suchen, etwa die U 7.

Der Ringabschnitt Westend – Gesundbrunnen wird ebenfalls gesperrt, derzeit ist bei der DB vom 26. August bis 5. September die Rede. Dort werden Weichen erneuert, und die neue S-Bahnstrecke zum Hauptbahnhof muss eingepasst werden.

Auf dem Ring geht’s nicht rund

Damit nicht genug: Auch auf dem noch stärker genutzten östlichen Ring sind Sperrungen zu erwarten. Ein Anlass ist der Umbau der S-Bahn-Station Frankfurter Allee. Sie wird faktisch Teil des Bahnhofs Ostkreuz. Durchaus wichtig, so die Bahn: „Dadurch ist bei Bauarbeiten und Störungen eine vereinfachte Betriebsführung möglich.“ Folge für S-Bahn-Kunden: Bis Herbst 2016 sind immer wieder Unterbrechungen mit SEV zwischen Landsberger Allee und Ostkreuz zu erwarten. Die Termine werden noch abgestimmt.

„Die Stadtbahn ist ebenfalls betroffen“, sagte Buchner. Auf der Strecke in der Innenstadt wird im kommenden Jahr damit begonnen, das Zugbeeinflussungssystem ZBS einzubauen. „Das lässt sich leider nicht verschieben“, so der S-Bahn-Chef. ZBS löst die alte Zugsicherungstechnik ab, deren Prinzip aus den 1920er-Jahren stammt. Ursprünglich sollten auch schadhafte Elemente des Schienenwegs im Hauptbahnhof ausgetauscht werden. Doch dies hat die DB erst mal wieder von der To-do-Liste gestrichen, weil die geplante Alternative zunächst noch erprobt werden soll.

„Der Bauumfang hat sich also reduziert“, sagte Buchner. Darum wird die Sperrung der S-Bahn-Strecke wahrscheinlich nicht wie anfangs geplant vom 12. September bis 31. Oktober dauern. „Sie wird aller Voraussicht nach verkürzt.“ Und verlegt: auf die Sommerferien 2016.

Die Planungen sehen vor, die S-Bahn-Trasse zwischen Friedrichstraße und Zoo zu sperren. Zwar wird es auch dort einen Ersatzverkehr mit Bussen geben. Doch auf den belebten Citystraßen wird die Busfahrt lange dauern. Darum will die DB raten, auf die U-Bahn-Linie U?2 und Regionalzüge umzusteigen.

Mit dem Bus nach Potsdam

Regionalexpress (RE) statt S-Bahn: Das wird auch auf der Linie S 7 nach Potsdam die Devise sein, wenn dort Gleise, Weichen und Stützwände erneuert werden. Die wichtige Pendler- und Ausflugsstrecke wird im Frühjahr zehn Wochen lang unterbrochen. Zwischen Griebnitzsee und Potsdam fahren SEV-Busse, doch Regionalzüge sind schneller.

Allerdings wird auch auf Regionalexpressstrecken gebaut. Zum Beispiel südlich von Berlin auf der Strecke in Richtung Dresden, wie Thomas Dill vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) mitteilte. „Zwischen Wünsdorf-Waldstadt und Hohenleipisch fahren vom 5. August 2016 bis 9. Dezember 2017 keine Züge“, sagte er. Fernzüge werden umgeleitet. Zwischen Köpenick und Erkner bleibt nur ein Gleis frei und manchmal gar keines – Pech für die Nutzer der Linie RE 1 nach Frankfurt (Oder). Für die Fahrgäste wird auch 2016 spannend.