Berlin - Die Bagger rollen wieder. Auf der Museumsinsel in Mitte laufen nach einem mehrmonatigem Baustopp die Arbeiten für das neue Eingangsgebäude wieder an. „Die Firma zur Herstellung von Baugrube und Gründung wurde beauftragt und hat die Arbeiten vor Ort aufgenommen“, erklärte Sandra Schrei vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) dieser Zeitung.

Das Unternehmen ist bereits die zweite Firma, die mit dem Spezialtiefbau auf der Museumsinsel betraut wurde. Der Vertrag mit der ersten Firma war im Sommer vergangenen Jahres gekündigt worden. Die Firma hatte finanzielle Nachforderungen gestellt, die das BBR in weiten Teilen als unberechtigt ansah.

Schwieriger Untergrund

Das zentrale Eingangsgebäude für die Museumsinsel soll nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield entstehen, der bereits das Neue Museum restauriert hat. Chipperfield will neben dem Neuen Museum und dem Kupfergraben ein modernes Eingangsgebäude mit einer großen Freitreppe, Kolonnaden und Terrassen errichten. Über eine archäologische Promenade im Untergeschoss sollen die Besucher künftig das Pergamonmuseum, das Neue Museum, das Alte Museum und das Bode-Museum erreichen.

Der Neubau entsteht an jener Stelle, an der bis in die 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein alter Packhof stand. Der Untergrund gilt als besonders schwierig, weil das Baugrundstück von einer sogenannten Kolklinse durchzogen wird. Der Kolk, eine eiszeitliche Auswaschung, ist mit nicht tragfähigem Erdreich gefüllt. Tragfähiger Baugrund findet sich teilweise erst in 20 Metern Tiefe.

Ein weiteres Problem neben der Kolklinse ist der hohe Grundwasserstand. Das Grundwasser beginnt bereits zwei Meter unter der Geländeoberfläche. Um das neue Gebäude sicher im Untergrund zu verankern, soll es auf zirka 1.200 Bohrpfählen errichtet werden, die bis zu 35 Meter tief ins Erdreich getrieben werden. Die Bodenplatte für das Gebäude soll – ähnlich wie bei den Bauten am Potsdamer Platz – unter Wasser aus Beton gegossen werden.

Durch den Baustopp im vergangenen Jahr sowie wegen des extrem schwierigen Baugrunds gibt es laut BBR-Sprecher Andreas Kübler „derzeit schon erhebliche Bauzeitverzögerungen“. Diese könnten im weiteren Verlauf der Arbeiten „nicht mehr kompensiert werden“. Kübler: „Die ursprünglich geplante Eröffnung der James-Simon-Galerie wird daher nicht mehr im Jahr 2014 stattfinden können.“ Einen neuen Termin nannte das BBR nicht.

Auch die veranschlagten Kosten in Höhe von 73 Millionen Euro für das Eingangsgebäude sind voraussichtlich nicht zu halten. „Die Mehrkosten werden zurzeit errechnet und können daher noch nicht beziffert werden“, sagte der BBR-Sprecher. Durch die Bauverzögerung beim Eingangsgebäude verschiebt sich jetzt auch die Eröffnung der archäologischen Promenade.

Ehrung eines Mäzens

Das Eingangsgebäude soll den Namen James-Simon-Galerie tragen. Mit James Simon wird der wohl berühmteste Mäzen der staatlichen Museen gewürdigt. Simon, der von 1851 bis 1932 lebte, überließ den staatlichen Museen eine Vielzahl von Exponaten, darunter die Büste der Nofretete.

Simons Familie war mit einem Baumwollunternehmen reich geworden. Der Unternehmer finanzierte jene Grabung im ägyptischen Amarna, bei der die Nofretete-Büste gefunden wurde. Aufgrund eines Vertrages mit der ägyptischen Regierung ging der deutsche Anteil des Fundes mit der Nofretete an ihn. Ein Porträtkopf von James Simon ist heute das einzige Ausstellungsstück, das im gleichen Saal wie die Nofretete im Neuen Museum steht.