Viele Autofahrer werden es als schlechte Nachricht empfinden, Fußgänger und Radfahrer können sich dagegen freuen. Der Bezirk Pankow will langfristig einen Teil der Schönhauser Allee für den Durchgangsverkehr sperren. Erst fallen Parkplätze weg, am Ende soll eine komplette Fahrbahnseite verkehrsberuhigt werden. „Wir gehen Schritt für Schritt vor“, sagte Baustadtrat Jens-Holger Kirchner. Das Konzept soll in den nächsten Wochen beschlossen werden, im Frühjahr 2016 die Umsetzung beginnen.

Wem gehört die Stadt? Nicht nur den Autofahrern, sagt der Grünen-Politiker. Fußgänger und Radfahrer werden oft an den Rand gedrängt. Das gilt auch für die Schönhauser Allee in Höhe des S-Bahnhofs, obwohl dort besonders viele Nichtmotorisierte unterwegs sind. Für den Pankower Baustadtrat ist klar: Vor den Schönhauser-Allee-Arcaden muss die Aufteilung des Verkehrsraums langfristig geändert werden.

Radfahrstreifen auf der Straße

„Im Frühjahr wollen wir damit beginnen, mehr Raum für Fußgänger zu beanspruchen“, so Kirchner. Am Einkaufszentrum sollen vier oder fünf Parkplätze aufgehoben und so gestaltet werden, dass sich Passanten dort gerne aufhalten – auf Bänken, zwischen Blumen und Bäumen. Anderswo gibt es solche Mini-Grünzonen schon, zum Beispiel in San Francisco, wo sie „Parklets“ heißen. Auch im Bezirk Pankow sind sie bald zu sehen: In Weißensee baute eine Agentur ein fahrbares „Parklet“ mit Tisch und Bänken. Bald soll es auf der Gustav-Adolf-Straße Platz zum Ausruhen schaffen.

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Später fallen auf der Allee weitere Parkplätze weg. Kirchner zeigte sich zuversichtlich, dass außerdem der Fahrradverkehr vom Bürgersteig auf die Fahrbahn verlegt werden kann. Die Verkehrslenkung habe am Freitag nach langen Diskussionen signalisiert, dass sie dazu gesprächsbereit sei. Zunächst soll es nur darum gehen, am Einkaufszentrum Radfahrstreifen zu markieren. Laut Bezirk sollten sie sich aber auf den gesamten Abschnitt von der Sredzki- zur Bornholmer Straße erstrecken.

M1 fährt künftig alle fünf Minuten

Der nächste Schritt: In drei oder vier Jahren soll die gesamte östliche Fahrbahnseite der Schönhauser Allee für Autos gesperrt werden. Dieser Abschnitt soll Fußgängern, Radfahrern und der Straßenbahn vorbehalten bleiben, nur Anwohner- und Lieferverkehr könnten noch möglich sein. Dadurch entstünde auf der nachmittäglichen Sonnenseite der Allee ein verkehrsberuhigter Bereich. Der Durchgangsverkehr würde auf der westlichen Fahrbahn konzentriert, mit je einem Fahrstreifen pro Richtung. Wer aus der Stadt kommt und nach Pankow will, müsste an der Kreuzung Stargarder Straße also nach links schwenken.

Die Umgestaltung könnte stattfinden, wenn ohnehin in Höhe des S-Bahnhofs gebaut wird: „Die Bahnbrücke muss langfristig saniert werden“, sagte Kirchner. Die Ideen stammen aus einem Workshop mit dem dänischen Planungsbüro Gehl Architects, der im Juni stattfand. Kirchner weiß, dass sie ihm Kritik von Autofahrern eintragen werden; „Dabei gibt es schon Hauptstraßen mit nur einer Spur pro Richtung, etwa die Schloßstraße in Steglitz.“

Außerdem sei es nicht so, dass es keine Alternative zum Auto gibt. Auf dem Viadukt auf dem Mittelstreifen verkehrt die U-Bahn-Linie U?2, daneben die Straßenbahn M?1 – die öfter fahren soll. Kirchner: „Die BVG will im Laufe des nächsten Jahres den Fünf-Minuten-Takt einführen.“