Berlin - Die landeseigene Immobiliengesellschaft Berlinovo plant, auf ungenutzten Liegewiesen der Berliner Freibäder Studentenunterkünfte zu errichten. Laut Unternehmenssprecher Ulrich Kaliner suche man gemeinsam mit den Berliner Bäder-Betrieben (BBB)  nach geeigneten Flächen.  Um welche Bäder  und Areale es sich handelt, wollte  Berlinovo noch nicht mitteilen.
„Wir haben den Auftrag, in den kommenden vier Jahren  2 500 Studentenapartments zu errichten“,  sagte Kaliner.  Das setze voraus, dass man geeignete Grundstücke finde, auf denen die Unterkünfte errichtet werden können. In den Freibädern ist Berlinovo offenbar fündig geworden. Bei den ins Auge gefassten Liegewiesen handele es sich um „nicht betriebsnotwendige“ Bereiche. Den Badebetrieb würden die Bauten laut Kaliner nicht einschränken. Es gehe um entlegene Flächen. Dort sollen dann Modulbauten entstehen, die 16 Quadratmeter große Apartments für Studenten beherbergen. Der Mietpreis soll inklusive Nebenkosten bei 315 Euro im Monat liegen.
Der Aufsichtsratschef der Bäder-Betriebe, Sportsenator Frank Henkel (CDU), begrüßte die Pläne.  Die wachsende Stadt sei auf neuen Wohnraum angewiesen, sagte ein Sprecher Henkels. Der Aufsichtsrat habe zustimmend Kenntnis davon genommen, dass die Veräußerung der Flächen verhandelt werde, ließ der Innensenator umständlich mitteilen.
Mit einer kurzfristigen Umsetzung der Bebauungspläne ist aber nicht zu rechnen. Die Aufsichtsräte der Bäder und der Berlinovo müssen dem Vorhaben zustimmen. Zudem müssten die entsprechenden Areale zu Bauflächen umgewidmet werden.
Zuflucht in den Sommerferien
Bei den Berliner Grünen stößt der Plan auf Ablehnung. Die Fraktionsvorsitzende  im Abgeordnetenhaus, Antje Kapek, sagte:  „In einer Stadt, in der jedes dritte Kind in Armut lebt, sind Freibäder für viele Kinder und Jugendliche die einzige Möglichkeit, ihre Sommerferien zu genießen.“ Wichtige Freiflächen könnten bei einer Bebauung  nicht mehr genutzt werden.  Kapek fürchtet auch Probleme mit Anwohnern, in deren Nähe Wohneinheiten gebaut würden. „Das Clubsterben in Berlin hat gezeigt, wie das Heranrücken der Bebauung  Klagewellen gegen vermeintliche Lärmbelästigung nach sich zieht.“ Das könne im schlimmsten Fall sogar die Existenz der Freibäder gefährden.

wim