Am Anfang war der Satz: „Da muss man mal was machen“. Immer wieder hätten Anwohner ihn ausgesprochen, wenn sie in seinem Geschäft über den Bayerischen Platz diskutierten, erzählt Ulrich Höfeler. Der 55-Jährige betreibt ein Reformhaus an dem Platz in Schöneberg. Wie seine Kunden fand auch er manches vor seiner Ladentür verschönerungsbedürftig. Ganz besonders den U-Bahnhof, dessen massige Betoneingänge aus den 70er Jahren eher wie Bunkerportale wirkten. Anwohner und Gewerbetreibende schlossen sich 2007 zusammen und gründeten den Verein Quartier Bayerischer Platz.

Die Visionen Höfelers und seiner Mitstreiter werden jetzt Wirklichkeit. Am Mittwoch präsentierten der Verein, BVG-Chefin Sigrid Nikutta und Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) die Pläne für die Umgestaltung der Station am südlichen Ende des Platzes. „Der U-Bahnhof wird in den nächsten Wochen nicht nur von Grund auf saniert und instand gesetzt, er bekommt auch ein ganz neues Gesicht“, sagte Nikutta.

Café mit Begegnungsstätte

Das neue Gesicht – es wird geprägt sein durch einen Pavillon auf dem neuen Eingangsgebäude. Er soll neben einem Café eine Begegnungsstätte beherbergen, in die eine Dauerausstellung zum jüdischen Leben im Kiez integriert wird. Auch dies war eine Idee der Anwohnerinitiative. „Wir wollten hier das zusammenfassen, was am Platz bereits an Gedenkorten vorhanden ist“, sagt Monica Geyler-von Bernus, Chefin des Berliner Forums für Geschichte und Gegenwart, das sich an dem Projekt beteiligt.

Seit 1993 gibt es rund um den Platz das Denkmal „Orte des Erinnerns“ – 80 Schilder an Straßenlaternen, die anti-jüdische Verordnungen aus der Nazi-Zeit zeigen. Auf dem Gelände der benachbarten Löcknitz-Grundschule steht zudem ein Denkmal für eine zerstörte Synagoge. 1963 war es das erste dieser Art in Berlin. Auch der am Mittwoch verstorbene Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ging im Bayerischen Viertel zur Schule.

„1933 lebten hier 16.000 Juden. Was danach passierte, ist unvorstellbar“, sagte Nikutta. „Auch die BVG war an dieser Erniedrigung beteiligt.“ Juden sei es verboten gewesen, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Deshalb habe die BVG ein großes Interesse an dem Vorhaben.

Dass die Anwohner in so kurzer Zeit die BVG für ihre Ideen begeistern konnten, ist auch dem Umstand zu verdanken, dass der U-Bahnhof – Kreuzungspunkt von U7 und U4 – sanierungsbedürftig war. „Wir sind 2008 mit einem fertigen Modell an die BVG und den damaligen Bürgermeister Band herangetreten“, sagt Ulrich Höfeler, heute Vorsitzender des Vereins Quartier Bayerischer Platz. Die Architekten Andrea und Wilfried van der Bel, ebenfalls Anwohner, hätten es kostenlos erstellt. Der Bezirksbürgermeister und die BVG hätten das Vorhaben sofort unterstützt. Auf dieser Grundlage entwickelten die Verkehrsbetriebe dann ein eigenes Modell. Immerhin: Die Finanzierung des 2,3 Millionen Euro teuren Projekts war damit in starken Händen.

"Nicht meckern und warten"

Die Abrissarbeiten der alten Eingangsportale sind bereits fast abgeschlossen. Nun sollen die drei Einzeleingänge auf der südlichen Platzinsel zu einem neuen Gebäude verdichtet werden. Der Pavillon und die begrünte Terrasse auf dem Dach werden durch einen Aufzug erreichbar sein. Neben der Dauerausstellung soll es hier künftig auch andere kulturelle Veranstaltungen geben. Passend zum Ort wird der künftige Café-Betreiber koschere Speisen anbieten.

Die Schirmherrschaft hat die frühere Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD) übernommen, die auch zu den Anwohnern gehört. „Das ist ein Beispiel dafür, dass es sich nicht lohnt zu meckern und zu warten, bis etwas passiert, sondern selbst die Initiative zu ergreifen“, ließ sie mitteilen.

Laut BVG soll die Umgestaltung des Bahnhofs im zweiten Quartal 2014 abgeschlossen sein.