Am Checkpoint Charlie wird ein Museum des Kalten Krieges gebaut, in dem das Land Berlin über die Konfrontation zwischen Ost und West an diesem Ort informieren will. „Wir werden dem Wunsch der Stadt folgen und in unserem Vorhaben eine Fläche von etwa 3 000 Quadratmetern für das Museum berücksichtigen“, sagte am Montag Heskel Nathaniel, Chef und Gründer des Berliner Projektentwicklers Trockland. Die Ausstellungsfläche zur Geschichte des früheren Grenzkontrollpunktes werde ein Kernelement der Planungen sein.

Damit kann der Senat endlich auch am Checkpoint Charlie sein Gedenkstättenkonzept umsetzen. Er betreibt dort bereits seit 2012 einen kleinen Pavillon. In der Black-Box informieren sich täglich Tausende Touristen über den Kalten Krieg. Zum Beispiel über den 27. Oktober 1961, als sich nur wenige Tage nach dem Mauerbau am Checkpoint Charlie amerikanische und sowjetische Panzer schussbereit gegenüberstanden.

Konfrontation mit Panzern

Der Pavillon ist eine Art Platzhalter des Senats, um die Darstellung des Kalten Krieges und der Berliner Mauer nicht allein dem privaten Mauermuseum von Alexandra Hildebrandt zu überlassen. Vielmehr will der Senat in den Neubauten von Trockland Flächen anmieten und dort ein Zentrum Kalter Krieg einrichten. Kulturstaatssekretär Tim Renner hatte im November betont, dass es keinen anderen Ort gebe, an dem sich die Geschichte des Kalten Krieges mit der Panzerkonfrontation so verdichtet habe wie am Checkpoint Charlie. „Die inhaltliche Gestaltung des Museums überlassen wir der Stadt“, so Nathaniel.

Trockland hatte im Herbst den Kauf von zwei Filetgrundstücken an der Friedrichstraße abgeschlossen. Trockland-Chef Nathaniel, 1962 in Haifa (Israel) geboren, seine Eltern stammen aus dem Irak, hat die Veränderungen am Checkpoint Charlie in den vergangenen 25 Jahren miterlebt. „Er war ein Ort des Misstrauens und der Spaltung, er hat sich gewandelt und erzählt jetzt die Geschichte von Einheit und Freiheit.“ Berlin habe für junge Leute Anziehungskraft. Deshalb hat sich Trockland entschieden, das erste Hard Rock Hotel in Deutschland am Checkpoint Charlie zu errichten.

Das Stadthotel wird über 372 Zimmer sowie einen großen Ballsaal verfügen. „Das Hotel wird ein spezifisches Design haben“, sagt Hamish Dodds, der Geschäftsführer von Hard Rock Hotels. So soll es Rock Star Suiten geben, an deren Gestaltung Bands und Rockstars als Co-Designer mitwirken sollen. Dodds nennt Namen wie die Scorpions und The Black Eyed Peas. Und kündigt an, dass die original Hammond C3 Orgel der Britannia Row Studios ausgestellt werden soll – die Band Pink Floyd hatte sie bei der Aufnahme für ihr Album „The Wall“ verwendet. Laut Dodds wird ein Hard Rock Café in dem Hotel eingerichtet, bisher gibt es in Berlin nur eins am Kudamm.

Architekturpläne noch unbekannt

Wie die brachliegenden und zusammen 9100 Quadratmeter großen Areale an der Friedrichstraße bebaut werden sollen, sagt Nathaniel nicht. Auch nichts zur Architektur. Außer, dass die Entwürfe vom Berliner Büro Graft kommen werden. „Wir sind noch am Anfang der Planungen. Wir werden sie Anfang 2016 mit dem Senat besprechen. Es werden auch Büros und Wohnungen entstehen.“ Nathaniel rechnet mit einem Baustart Mitte 2017, für 2020 ist die Fertigstellung geplant.

Ob der Senat zur Architektur einen Wettbewerb verlangt, ist ungewiss. „Für uns ist klar, dass eine Entwicklung am Checkpoint Charlie auf jeden Fall Platz schaffen und bieten muss für die historischen Spuren des Ortes“, sagt Martin Pallgen, Sprecher von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Im Gesamtkonzept zum Gedenken an die Berliner Mauer komme diesem touristisch herausragenden Ort eine zentrale Bedeutung zu.