Der Heide-Steppenrüssler ist wieder da. 
Foto: Heinz-Sielmann-Stiftung / Jörg Müller

Neuruppin70 Jahre lang hat ihn keiner mehr  zu Gesicht bekommen, den Heide-Steppenrüssler. Das ist nicht verwunderlich. Das Insekt mit dem außergewöhnlichen Namen ist mit  nur 14 Millimetern Länge so groß wie eine Fingerkuppe breit ist. Wenn es kalt ist, verharrt das Tier zudem reglos. Der Käfer mit dem lateinischen Namen Coniocleonus nebulosus, mag es trocken und warm. In Zeiten der Klimaerwärmung eine gute Nachricht. 

Der Heide-Steppenrüssler passt wegen seiner rötlich-braunen Musterung perfekt in sonnenverdorrte Gefilde, dort vermuteten ihn heimische Forscher auch jahrzehntelang. Seit 1940 aber galt der Heide-Steppenrüssler in Brandenburg als verloren.

Bis jetzt der  Biologe und Käferinteressierte Jörg Müller auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Wittstock im Landkreis Ostprignitz-Ruppin spazieren ging. Eines Tages im Spätsommer, so berichtet Müller, fischte er den rötlichen Langrüssel aus seinem Kescher. „Zuerst konnten wir das Tier nicht zuordnen, da ich mit einem solchen Fund nicht gerechnet habe“, so Müller, der gemeinsam mit der Heinz-Sielmann-Stiftung eine Mitteilung zu seinem Sensationsfund veröffentlichte. Die Stiftung betreut eine etwa 4000 Hektar große Naturlandschaft im Süden des ehemaligen Bombodroms im Kreis Ostprignitz-Ruppin seit die Bundeswehr dort nach heftigen Protesten im Jahr 2009 abzog. Nach einiger Recherche fand man den Käfer schließlich auf der Roten Liste der stark gefährdeten Arten.

Im August und September blüht die Heide in intensiven Lila-Tönen.
Foto:  Heinz-Sielmann-Stiftung

Über seine Vorlieben und Angewohnheiten ist wenig bekannt, die Larven entwickeln sich höchstwahrscheinlich in den Wurzelstöcken der Besenheide, vermutet Müller. „Der Heide-Steppenrüssler ist eine Art, die ganz eng an das Vorkommen der Besenheide gebunden ist. Verschwindet die Heide, verschwindet auch der Käfer“, sagt er über das Biotop.

In der Heide, die sich zwischen Neuruppin und Wittstock über zehn Kilometer Länge erstreckt leben eine Vielzahl an Tieren. 

„Wir haben bisher 825 Arten auf der Fläche nachgewiesen. Viele von ihnen sind hervorragend an die trockenen, heißen Bedingungen angepasst und kommen nur in diesen Lebensräumen vor. In der umgebenden Landschaft finden sie keinen Platz mehr“, sagt Jörg Müller.

Auf der Liste der größten gebäudefreien Gebiete Deutschlands liegt die Kyritz-Ruppiner Heide  auf dem sechsten Platz. Doch die immer noch mit Munition belastete Landschaft braucht aufwendige Pflege. Es ist eine Kulturlandschaft, die nur durch Nutzung entsteht. Kontrollierte Brände und das Abmähen verjüngen die Heidekrautbestände. Nur dann blüht die Landschaft zwischen August und September üppig im typischen Lila. Mittlerweile entdecken mehr und mehr Menschen den Reiz dieser besonderen Landschaft. In geführten Wanderungen oder Sternenexkursionen kann man sie auf geräumten Wegen erkunden. Wer dabei  dem wieder auferstandenen Rüssler begegnet, darf sich glücklich schätzen.