BRANDENBURG/HAVEL - Früher war er ein Mann und ein sechsfacher Mörder, heute ist er eine Frau und eine Patientin – allerdings in einer besonderen Klinik. Wolfgang S. ist seit seiner Verurteilung 1992 im Maßregelvollzug Brandenburg/Havel untergebracht. Dort, hinter hohen Mauern und Zäunen, werden Straftäter streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit psychologisch betreut. So auch der 1,90 Meter große Mann, der bei den Morden Frauenkleider trug und deshalb als „Rosa Riese“ bezeichnet wurde.

Nun moniert eine Boulevardzeitung, dass S. Ausgang auf dem frei zugänglichen Klinikgelände in Begleitung von Wärtern hat. Dies sei „eine Vorstufe zur Entlassung in die Freiheit“. Es wird spekuliert, dass S. in fünf Jahren frei sein könnte.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte am Dienstag, dass grundsätzlich keine Details zu einzelnen Patienten bekannt gegeben werden. Aber er dementierte die Ausgänge auch nicht.

Wolfgang S. hat von Oktober 1989 bis April 1991 im Raum Beelitz (Potsdam-Mittelmark) fünf Frauen im Alter von 34 bis 66 Jahren ermordete und sich teilweise an den Leichen vergangen. Er erwürgte auch das drei Monate alte Baby eines seiner Opfer. 1992 wurde er zu 15 Jahren Haft und vorheriger Unterbringung in einer Maßregelklinik verurteilt. S. behauptete, er habe aus Hass auf seine Mutter getötet. Er sagte auch, dass er sich selbst als Frau fühle. In der Klinik beantragte er eine Geschlechtsumwandlung und eine Namensänderung. Er nennt sich inzwischen Beate.

Grundsätzlich sind die Maßregelpatienten keine Gefangenen, sondern Patienten. Das Ziel der Unterbringung in der Klinik ist es, dass die Patienten therapiert werden. Dabei soll erreicht werden, dass sie keine Gefahr mehr für andere oder sich selbst sind. Gesetzlich ist es so geregelt, dass ein Mal im Jahr die Gefährlichkeit der Patienten geprüft wird. Gleichzeitig wird über mögliche Lockerungen – also Freigänge – entschieden. Doch vor einer möglichen Entlassung muss ein mehrstufiges Verfahren durchlaufen werden.

Nach Erfolgen in der Therapie werden zuerst Ausgänge auf dem Klinikgelände in Begleitung von zwei Wärtern erlaubt. Später sind auch begleitete Ausgänge in die Stadt möglich, um zu testen, wie die Patienten auf „bestimmte Reize“ reagieren. Erst danach werden unbegleitete Ausgänge erlaubt. Über die potenzielle Gefährlichkeit und die Lockerungen entscheiden jedes Jahr unabhängige Experten, die nicht wie die Klinikärzte am Therapieerfolg interessiert sind.