Auf den Spargelfeldern rund um Beelitz ist die schwierige aktuelle Weltlage mit dem Krieg in der Ukraine, mit der Inflation und der Energiekrise klar zu erkennen. Lange vor dem Ende der Saison ernten die Bauern auf vielen Feldern gar keinen Spargel mehr, sondern lassen ihn bereits ins Kraut schießen. Und das, obwohl ihnen jedes Jahr in der Spargelsaison nur elf Wochen Zeit bleiben, um den Großteil ihres Jahresgewinns einzufahren.

Der Chef der Beelitzer Spargelbauern bringt die Lage im bundesweit größten zusammenhängenden Spargelgebiet auf den Punkt. „So dramatisch war es noch nie, seit wir hier sind“, sagte Jürgen Jakobs. Er meint Mitte der 1990er-Jahre, als er und ein Dutzend andere Landwirte den Spargelanbau rund um Beelitz zu einer nie gekannten Blüte führten.

Nun herrscht Krisenstimmung. Ausgerechnet im ersten Jahr nach Corona. Zwei Jahre lang konnten die Bauern kaum Spargel an die Gastronomie verkaufen, weil die Gaststätten im Lockdown dicht waren. Nun sollte ein wirtschaftlicher Befreiungsschlag kommen, doch es kam Krieg. „Überall steigen die Preise für alles Mögliche, und die Leute halten ihr Geld mehr zusammen“, sagt Jürgen Jakobs.

Felder werden nicht abgeerntet, Erntehelfer reisen ab

Viele sparen zuerst beim Luxus – und da gehört das Edelgemüse oft dazu. „Wir werden unseren Spargel in den derzeit möglichen Mengen gar nicht mehr los.“ Die Nachfrage sei gering, die Preise gehen immer mehr in den Keller. „Deshalb lassen wir in der Beelitzer Region bereits auf etwa 25 Prozent der Felder gar nicht mehr ernten.“

Bei all der Krisenstimmung haben die Beelitzer noch Glück, durch ihren bekannten Markennamen können sie noch recht gut verkaufen. In der Spreewälder Spargelregion soll bereits auf der Hälfte der Flächen kein Spargel mehr gestochen werden.

dpa/Bernd Settnik
Beelitz: So sehen die Felder aus, wenn der Spargel nicht mehr gestochen wird, sondern ins Kraut schießt.

Spargel ist so ziemlich das einzige Gemüse, das nur bis zu einem bestimmten Stichtag geerntet werden darf: Der Start ist wetterabhängig irgendwann im April. Aber die letzten Stangen werden am 24. Juni gestochen, am Johannistag endet traditionell die Spargelsaison. Dieses Jahr ist es anders: Vielerorts ist die Saison längst vorbei.

Wer jetzt kauft, bekommt gute Qualität zu niedrigen Preisen

Der Preisverfall ist beachtlich, immerhin 15 Prozent unter der Preisentwicklung der vergangenen fünf Jahre. Das bedeutet auch: Für die Kundschaft, die sich Spargel noch leisten will, ist derzeit die beste Zeit. Denn es gibt sehr gute Qualität zu vergleichsweise niedrigen Preisen.

„Den Höchstpreis hatten wir kurz vor Ostern“, sagt Jakobs. Damals kostete ein Kilo der besten Güteklasse an den Ständen der Bauern in Berlin 16,90 Euro. „Jetzt bieten wir ihn für 11,90 Euro im Hofladen an.“ Im Vorjahr waren es zu dieser Zeit noch knapp 20 Prozent mehr.

Doch es gibt auch echten Beelitzer Spargel in Berliner Discountketten für 5,90 Euro. Doch Kenner wissen: Das ist keine 1A-Qualität, sondern sogenannter Mischspargel. Die Stangen sind nicht so dick und nicht nur weiß. Es sind auch Stangen dabei, die bereits die nicht so beliebten violett gefärbten Köpfe haben. Und wegen der längeren Lieferwege ist der Spargel drei Tage alt. Dieselbe Qualität gibt es in den Beelitzer Hofläden für 6,90 Euro – aber eben auch frisch.

Der Preisdruck kommt auch durch Billigspargel aus Griechenland, Spanien oder Italien, den es für 1,99 Euro im Supermarkt gibt. „Das liegt vor allem an den Personalkosten, die dort nur ein Drittel so hoch sind wie bei uns“, sagt Jakobs.

In der nächsten Saison wird heimischer Spargel teuer wie nie

All das sorgt nicht nur für Gewinnausfälle bei den Landwirten, die mit dem teuren Gemüse sonst ganz ordentlich verdienen. Auch die Saisonarbeiter, die meist aus Polen, Bulgarien und Rumänien kommen, haben nicht mehr so viel zu tun. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist bereits die Hälfte abgereist“, sagt Jakobs. In der Vergangenheit wäre es zu diesem Zeitpunkt der Saison höchstens ein Viertel.

Und die Probleme für die Chefs werden nicht kleiner: Der aktuelle Mindestlohn von 9,83 Euro wird im Herbst auf zwölf Euro erhöht. „Ein Teil davon müssen wir auf die Preise umlegen“, sagt Jakobs.

Er hat die Hoffnung, dass nun doch noch ein kleiner Nachfrageboom kommt – denn heimischer Spargel ist derzeit so billig wie nie und wird in der nächsten Saison sicher so teuer wie nie. Letzte Chance also. Und in den Hofrestaurants der Beelitzer Bauern ist nach zwei Jahren Pandemie derzeit so richtig was los.