Bei dem ersten Klassik-Konzert in der Geschichte der Arena wird es aufgrund der Corona-Regelungen dort nicht so voll werden wie auf diesem Foto von 2019.
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BerlinDie Parkbühne Wuhlheide wird jetzt klassisch! Zum ersten Mal in der Geschichte der Open-Air-Arena tritt dort ein großes Klassik-Orchester auf. Es sind die Berliner Symphoniker, die im September die Wuhlheide-Bühne in einen riesigen Konzertsaal unter freien Himmel verwandeln wollen.

Seit den 90er-Jahren war der Köpenicker Veranstaltungsort nur Schlagersängern oder Rockmusikern vorbehalten. Peter Kraus, Michael Wendler, Puhdys, Peter Maffay, Die Ärzte, Seeed, Whitney Houston, Metallica, Rammstein: Die Liste der Stars ist lang, die in der Vergangenheit dort auftraten. Doch anders als in der Waldbühne, wo die Berliner Philharmoniker seit Jahren ihr Können zeigen, wagte sich bisher noch kein Klassik-Orchester in die Wuhlheide, um dort etwa Werke von Beethoven zu spielen.

Das will die Geigen- und Bratsche-Spielerin Sabine Völker (53) nun ändern, die seit über einem Jahr Intendantin der 1966 gegründeten Berliner Symphoniker ist. Dessen Spielstätte ist normalerweise die Philharmonie. „Unser Motto lautet ‚Musik ohne Grenzen‘. Warum sollen wir also nicht in der Wuhlheide auftreten, wo sonst ganz andere Musik erklingt?“, so Völker. Daher werden am 13. September 50 Musiker der Symphoniker auf der Parkbühne mit „250 Jahre Beethoven“ Werke des Komponisten aufführen (Beginn: 15 Uhr, Karten: zwischen 35 und 49 Euro).

Sabine Völker ist die Intendantin der Berliner Symphoniker, die mit ihrem Beethoven-Programm Klassik in die Wuhlheide bringen wollen.
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Das Konzert ist eine Herausforderung. „Das Orchester hat zwar Open-Air-Erfahrungen, aber auf so einer Bühne in einer so außergewöhnlichen Spielstätte waren wir noch nie. Mal sehen, wie es unser Publikum annehmen wird“, sagt die Orchester-Chefin. „Es ist ein neuer Schritt für uns, den wir auch machen müssen. Das sind wir dem Publikum und den Musikern schuldig.“

Die Corona-Krise ist der Grund. Der Auftritt der Symphoniker in der Wuhlheide soll als ein Signal verstanden werden. „An die Berliner, denen wir zeigen, dass wir wieder da sind und dass trotz der Einschränkungen Konzerte möglich sind“, sagt Völker. „Und an unsere Musiker, die wir in der Zeit der Krise nicht fallen lassen wollen.“

„Auch in Corona-Zeiten sind Konzerte möglich“

Denn das Orchester finanziert sich seit 2004 selbst, bekommt jährlich nur eine Förderung von 200.000 Euro vom Senat. Die Musiker sind freie Mitarbeiter, die Corona-Krise wurde für sie zur Existenzfrage. „Keine Auftritte, kein Verdienst“, sagt die Intendantin. „Am 8. März spielten wir unser letztes Konzert. Neben den Auftritten in der Region fielen auch die geplante Tourneen nach Kasachstan und Slowenien aus.“ Die Zwangspause nutzte die Orchesterleitung, „um neue Auftrittsmöglichkeiten zu finden, damit unsere Musiker wieder arbeiten können“.

Die Parkbühne Wuhlheide ist so eine. Auch sie ist ein Opfer der Corona-Krise. Die bisher in diesem Jahr geplanten Open-Air-Shows fielen aus. Nun erlauben die neuen Lockerungen des Senats dort wieder Konzerte, wenn ab 1. September in Berlin Großveranstaltungen im Freien mit bis zu 5000 Menschen stattfinden können. „Klar, im Normalfall hätten in der Parkbühnen-Arena 17.000 Menschen Platz“, sagt Völker. „Aber wir sind froh darüber, auch vor 5000 spielen zu dürfen.“

Allerdings benötigen die Symphoniker für ihren Auftritt Hilfe aus dem Rockmusik-Lager. „Zwar ist die Akustik in der Wuhlheide für ein Klassik-Konzert hervorragend“, sagt Völker. „Doch damit unsere Musik auch beim Publikum in den oberen Rängen noch gut zu hören ist, brauchen wir technische Verstärkung wie bei einem Rockkonzert.“ Diese liefert der Ex-Manager der Puhdys, Rolf Henning. Eine Anlage, die sich bereits sehr gut bewährt hat. „Damit waren schon City, Karat, Dieter Birr und Matthias Reim auf ihrer Rock-Legenden-Tour unterwegs“, sagt er.

Konzert zur Tradition machen

Sollte das Klassik-Konzert in der Parkbühne ein Erfolg werden, möchten die Berliner Symphoniker damit weitermachen. „Es könnte eine schöne jährliche Berliner Tradition werden, wenn zum Sommeranfang die Philharmoniker in der Waldbühne spielen und die Symphoniker im September in der Wuhlheide den Sommer klassisch ausklingen lassen“, sagt Völker.

Mit dem Beethoven-Konzert in der Wuhlheide starten die Berliner Symphoniker auch in die neue Spielzeit 2020/2021. Bis zum Jahresende sind Literaturkonzerte (unter anderem mit Daniel Brühl) und Aufführungen geplant, die das Orchester weiter zu neuen ungewöhnlichen Spielstätten führen wird. Wie etwa in das Festival-Center des Estrel-Hotels in Neukölln, wo auch die Doppelgänger-Show „Stars in Concert“ beheimatet ist.

Der Grund dafür liege auf der Hand.  Es sei auch künftig unmöglich, aufgrund der Corona-Beschränkungen in Konzertsälen vor großem Publikum große Aufführungen zu spielen, so Intendantin Völker. „In der Philharmonie beispielsweise müssen Sitzreihen frei bleiben, um die Abstandsregeln zu gewährleisten.“ In einem fast leeren Saal könne da kaum ein richtiger Konzertgenuss beim Publikum aufkommen, so die Orchester-Chefin weiter. Anders sei es dagegen im Estrel, wo man die Bestuhlung, trotz Abstandsregelungen, so stellen könne, dass der Zuhörer das Gefühl habe, in einem vollen Saal zu sitzen. „Konzerte leben nun einmal von Emotionen“, sagt Völker.