Laut Rackles seien im Schuljahr 2008/09 nur 67 Klassen ab Jahrgangsstufe 5 eingerichtet worden, nach der eigens von ihm abgezeichneten Auflistung sollen aber seinerzeit tatsächlich 69 Klassen ab Jahrgangsstufe 5 eingerichtet worden sein.

Das ist nur ein Fehler von mehreren, die in dem Schreiben enthalten sind. Dies ist politisch brisant, weil die SPD bisher davon ausgeht, dass in Berlin nicht mehr als 67 Klassen an Gymnasien ab Jahrgangsstufe 5 eingerichtet werden dürfen. Das Gymnasium beginnt in der Regel erst mit der 7. Klasse. Die CDU fordert hingegen eine flächendeckende, bedarfsgerechte Ausstattung mit 5. Klassen, die im Fachjargon „grundständige Züge“ genannt werden.

Weil sich beide Parteien nicht auf eine Zahl verständigen konnten, heißt es im Koalitionsvertrag: „Die Anzahl der genehmigten grundständigen Züge hat Bestand.“ Ungeklärt ist, auf welches Schuljahr sich diese Festlegung bezieht.

Flüchtigkeitsfehler oder mehr?

Dies wollte Rackles nun in dem Schreiben an die Reinickendorfer Bildungsstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) präzisieren. Der Brief vom 28. März, der auch an SPD-Bildungspolitiker versandt wurde, liegt der Berliner Zeitung vor. „Wir waren uns in den Koalitionsverhandlungen einig, dass wir die Zahl der genehmigten Züge zwar festschreiben, wir aber pragmatisch die Zahl der genehmigten Züge zugrunde legen“, schreibt Rackles.

Da die Zahl der genehmigten Züge laut Schreiben im Jahr 2008/09 insgesamt 69 Klassen ab Jahrgangsstufe 5 (ohne Staatliche Ballettschule) betragen hat, könnten wohl doch mehr 5. Klassen eingerichtet werden.

So sehen es die CDU-Bildungspolitikerinnen Katrin Schultze-Berndt und Hildegard Bentele, die nun klären wollen, wie es zu dem „Zahlensalat“ gekommen ist. Sind es Flüchtigkeitsfehler oder steckt mehr dahinter? Denn in der Aufzählung aus dem Jahr 2008/09 hat man zudem bei den Schnellläuferklassen zwei zusätzlich genehmigte Klassen nicht berücksichtigt, etwa am Humboldt-Gymnasium in Tegel.

Eltern wollen klagen

Auch für die folgenden Schuljahre wurde nicht akkurat addiert, obwohl Rackles „einen schulgenauen Nachweis“ über alle 5. Klassen verspricht. Die Zahlen stammen aus der Abteilung von Ludger Pieper, der jüngst dem Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasium untersagt hatte, eine dritte 5. Klasse einzurichten. Dagegen wollen Eltern klagen.

Rackles verlässt sich auf die Zulieferungen von Pieper, der viele Jahre das Landesschulamt geleitet hat. Wie jetzt bekannt wurde, soll Pieper die Abteilung operative Schulaufsicht als Nachfolger von Erhard Laube übernehmen. Damit wird er zur zentralen Machtfigur in der Bildungsverwaltung, er ist dann für alle Personalangelegenheiten an Berliner Schulen verantwortlich.

Offenbar erfüllte nur Pieper die laufbahnrechtlichen Voraussetzungen, er schlug eine andere Bewerberin aus dem Feld: Claudia Zinke (SPD), unter Jürgen Zöllner bis vor kurzem noch Staatssekretärin in der Bildungsverwaltung.