Sie bleibt ein 800.000 Euro teures Ärgernis. Wer an einem beliebigen Tag über die Maaßenstraße in Schöneberg schlendert, wird kaum jemanden antreffen, dem gefällt, was er sieht: eine verwaiste Fahrbahnseite, vollgestellt mit leeren Bänken und bunten Klötzen; auf der anderen, auf sechs Meter eingeengten Fahrbahnseite, gibt es oft Stress, weil Autos kaum aneinander vorbeikommen oder ein Lieferwagen alles verstopft.

Wirte sind verärgert

So nörgeln alle über die Begegnungszone, die die einst so belebte Maaßenstraße zwischen Nollendorf- und Winterfeldtplatz seit vorigem Herbst komplett verändert hat. Wirte ärgern sich, dass sie ihre Tische und Stühle nicht in die unbelebte neue Zone stellen dürfen.

Händler klagen, dass ihre Lieferanten kaum zu ihnen kämen. Marketender vom Wochenmarkt am Winterfeldtplatz verzeichnen rückläufige Kundenzahlen. Anwohner motzen über 40 weggefallene Parkplätze. Und alle, wirklich alle, halten die Umbauten für eine ästhetische Zumutung.

Inzwischen hat sich auch im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Pilotprojekt gescheitert ist. Der CDU im Bezirk brauchte das niemand zu sagen, sie war immer schon gegen den Umbau. Für die Bezirks-FDP dient die Zone inzwischen gar als Wiederbelebungsinstrument.

Nächste Begegnungszone in der Bergmannstraße

Die Splitterpartei sammelt Unterschriften für einen – wenn auch absehbar vergeblichen – Rückbau. Selbst bei der einst wohlwollenden SPD heißt es jetzt unter der Hand: Die Kreuzberger, bei denen die Bergmannstraße zur nächsten Begegnungszone Berlins umgebaut werden soll, sollten sich hüten vor einem Umbau nach Schöneberger Vorbild.

Jetzt fragen sich die Bezirkspolitiker, was im Sommer passiert, wenn der nahe Supermarkt mit seinem 24-Stunden-Betrieb steten Nachschub an diversen Getränken verspricht. Immerhin war die Gegend bis zum Mauerfall einer der beliebtesten Ausgeh-Kieze West-Berlins, noch heute steht sie in jedem Reiseführer.

Drohen jetzt Zustände wie auf der Admiralbrücke in Kreuzberg, wo Anwohner über Dauerlärm durch Partyvolk aus aller Welt klagen? Stadtrat Oliver Schworck (SPD), zuständig fürs Ordnungsamt, rät zu einer „gewissen Gelassenheit“. Fast klingt er, als würde er sich solche Sorgen wünschen. Immerhin würde dann überhaupt jemand die Begegnungszone nutzen.