Berlin - Obwohl der neue Großflughafen BER für viele Menschen mehr Fluglärm mit sich bringen wird, entstehen im Umfeld des künftigen Airports mehrere tausend Wohnungen. Das geht aus einer Studie des Analysehauses Bulwiengesa hervor, die am Dienstag präsentiert wurde.

Gut 20.000 Wohnungen sind danach auf Berliner Stadtgebiet geplant oder in Bau, weitere 6140 Wohnungen auf der Brandenburger Seite. „Der Flughafen wird zu einer starken Entwicklungsdynamik durch neue Arbeitsplätze und Investitionen in die Infrastruktur beitragen“, sagte Bulwiengesa-Vorstandsmitglied Andreas Schulten. „Das macht die Region für die Bevölkerung ebenso attraktiv wie für Investoren.“ Finanziert wurde die Studie von Investoren, die auf beiden Seiten der Stadtgrenze Wohnungen bauen, und von der Flughafengesellschaft.

Auf Brandenburger Gebiet sind laut der Untersuchung 67 Prozent der geplanten Unterkünfte als Mietwohnungen konzipiert, auf Berliner Gebiet sind es 60 Prozent. Die übrigen Neubauten entstehen als Eigentumswohnungen und Eigenheime.

Ab 8 Euro pro Quadratmeter

„Das ist ein ganz normaler Wohnungsmarkt – auch mit Lärm“, sagte Schulten. Bestimmte Zonen würden allerdings freigehalten von einer Bebauung. Die Mietpreise für Neubauten in den Brandenburger Gemeinden beginnen laut der Studie bei acht Euro pro Quadratmeter (kalt) in einfachen Wohnlagen.

Sie sind damit noch etwas günstiger als neue Wohnungen in Berlin, die ab etwa zehn Euro je Quadratmeter zu haben sind. Hochwertige Wohnungen in guten Lagen Brandenburgs sind hingegen zu Mieten oberhalb von elf Euro je Quadratmeter zu finden. In der Nähe zur Stadtgrenze liegen die Mieten auf Brandenburger Seite etwa auf dem Niveau der Hauptstadt, teilweise sogar darüber.

Wegen der günstigeren Bodenpreise im Umland können neue Wohnungen dort zu niedrigeren Mieten angeboten werden. Nicht nur hohe Grundstückspreise in Berlin treiben Investoren ins Umland, sondern auch „die Vielzahl an politischen Auflagen“, stellen die Autoren der Studie fest. Lange Bebauungsplan- und Genehmigungsverfahren in Berlin schreckten ab.

Investoren loben „Willkommenskultur“  

Aus Sicht der Investoren liegen die Vorteile beim Bau im Umland unter anderem in der größeren Flächenverfügbarkeit sowie einer „Willkommenskultur“, die den Wohnungsbau erleichtere. Außerdem sei im Umland die Ausstattung mit Schulen und Kitas besser.

Besonders viele Wohnungen sollen in Neu-Schönefeld nördlich des jetzigen Flughafen-Terminals entstehen. Dort, wo bislang vielleicht 500 Menschen wohnen, ist eine neue Stadt geplant, die in zehn Jahren um die 25.000 Einwohner haben soll. Am Mittwoch soll in Neu-Schönefeld der erste Spatenstich für das Projekt Sonnenhöfe gefeiert werden.

Das ist ein Vorhaben, bei dem auf einem rund 51.000 Quadratmeter großen Grundstück bis August 2021 insgesamt 559 Mietwohnungen errichtet werden. Gebaut werden die Sonnenhöfe von einem Joint-Venture aus den Unternehmen Eyemaxx Real Estate AG und der Deutschen Immobilien Entwicklungs AG (DIE AG). Sie investieren 170 Millionen Euro. „Wo sollten wir investieren, wenn nicht hier“, sagt DIE AG-Projektentwicklungschef Hans-Peter Werner.

Gutverdiener ziehen ins Umland

Obwohl die Sonnenhöfe in direkter Nähe zum Flughafen entstehen, liegen sie nach Angaben der beteiligten Unternehmen „außerhalb der Lärmkorridore der startenden und landenden Flugzeuge“. Ähnlich sieht es in Wildau aus, wo die Bauwert neue Wohnungen errichtet. Diese entstünden „außerhalb der Flugrouten“, sagt Bauwert-Prokurist Henning Hausmann.

Wohnungen in Schönefeld sind schon jetzt begehrt. „In Neu-Schönefeld haben wir 48 Eigentumswohnungen ganz schnell verkauft“, sagt Helmut Kunze vom Bauträger und Projektentwickler Bonava. „Wir sind schon immer außerhalb Berlins tätig gewesen“, so Kunze.

Früher habe seine Firma denjenigen, die sich in Berlin nichts leisten konnten, gesagt, dass sie nach Brandenburg gehen müssten. Heute zögen gut verdienende Familien mit zwei bis drei Kindern nach Brandenburg, weil sie in Berlin nicht das richtige Angebot finden. Zur viel gepriesenen Willkommenskultur im Umland bemerkt Kunze, dass diese „nicht durchgängig“ vorzufinden sei, sondern von der Kommune abhänge.

Gerade in Schönefeld und Schulzendorf sei festzustellen, dass „man das Baugesetzbuch gelesen“ habe. Darin stehe, dass die Kommunen dafür verantwortlich sind, dass es ausreichend Möglichkeiten zum Bauen gibt – „und nicht die Bauträger“, so Kunze.