Berlin - Diesmal soll alles besser werden. Bei der Umgestaltung der Bergmannstraße in Kreuzberg sollen nicht die gleichen Fehler gemacht werden wie bei der Maaßenstraße in Schöneberg. Diese wurde im Vorjahr für 800.000 Euro umgebaut, um Konflikte zwischen Autofahrern, Radlern und Fußgängern zu entschärfen. Begegnungszone nennt man diese Form der Verkehrsberuhigung, die aus der Schweiz stammt und die jetzt auch an verschiedenen Stellen in Berlin umgesetzt werden soll.

Über das Ergebnis in der Maaßenstraße ärgern sich alle: Anwohner, weil Parkplätze verschwunden sind. Händler, weil Lieferfahrzeuge kaum noch zu ihnen finden. Passanten, weil sie die einst belebte Straße nicht wiedererkennen. Ein Teil der Fahrbahn wurde vollgestellt mit Bänken und bunten Sitzklötzen, die aber oft leer sind. Die restliche Fahrbahn ist durch Autos und vor allem Liefer-Lkw verstopft.

Ein solches Ärgernis soll der zweite Versuch einer Begegnungszone an der Bergmannstraße in Kreuzberg nicht werden. Was dort an Umbau möglich ist, soll erst mal für eineinhalb Jahre getestet werden. So könnten etwa Gehweg-Erweiterungen geschaffen werden, um mehr Platz für Radständer oder Sitzgelegenheiten zu schaffen.

Dass die Bergmannstraße, die Flaniermeile zwischen Südstern und Mehringdamm mit Cafés, Restaurants und Läden einer Verkehrsberuhigung bedarf, stellt kaum jemand infrage. Vor allem Fußgänger bemängeln zu wenig Platz, ebenso Radfahrer.

Zu Werkstattgesprächen, zu der die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg einluden, kamen Hunderte Interessenten. In zwei Online-Dialogen äußerten 2200 Beteiligte ihre Meinung. Während einige die Begegnungszone begrüßen oder gar eine generelle Fahrrad- oder Fußgängerzone fordern, halten andere die Planungen für autofeindlich. Denn auch an der Bergmannstraße soll der Autoverkehr zugunsten von Radlern und Fußgängern eingeschränkt werden. Die Fahrbahn soll verengt werden, ob gleichmäßig auf beiden Seiten oder nur auf einer, steht noch nicht fest. Parkplätze fallen auf alle Fälle weg, dafür soll es mehr Sitzgelegenheiten geben.

„Keine Parkplätze sind auch keine Lösung“ heißt es in in vielen Äußerungen. Gefürchtet wird eine „Entlebung“ der Bergmannstraße zur piefigen Kleinstadtstraße. Zudem würde der Verkehr in die Nebenstraßen verdrängt, was zu Belästigungen der Anwohner führe.

Auch die geplanten Aufenthaltszonen mit Sitzgelegenheiten treffen nicht jedermanns Geschmack. Etliche fürchten nächtliches „Remmidemmi wie auf der Admiralbrücke“, auch wird das Sitzen nahe an den Abgasen fahrender Autos infrage gestellt. Drei Bereiche der Straße werden jetzt besonders beobachtet: der vor dem Gesundheitszentrum und die Abschnitte zwischen Nostiz- und Solmsstraße sowie zwischen Zossener und Friesenstraße. Dort ist sogar ein Kreisverkehr im Gespräch, der am ehesten zur Entschleunigung beitragen würde. Auch neue Fußgängerüberwege und Radstreifen sollen mehr Sicherheit schaffen.

Wann die Testphase für die Begegnungszone beginnt, steht noch nicht fest. Wichtig sei, dass die Senatsverwaltung den Wunsch nach reversiblen Maßnahmen berücksichtigt, sagt Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne). Was sich nicht bewährt, könne zurückgebaut werden.