Berlin - Berlin wird nach den Sommerferien einen neuen Schultyp bekommen: die inklusive Schwerpunktschule. Dort sollen behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam lernen. Eine solche Schule ist auf den Unterricht und die Betreuung von Schülern mit ein oder zwei bestimmten Handycaps spezialisiert. Die Schüler können geistig, körperlich oder motorisch behindert sein, es kann sich aber auch um Seh- oder Hörbehinderte oder autistische Schüler handeln.

Die Senatsbildungsverwaltung wählte zunächst fünf Schulen aus, quer über das Stadtgebiet. Die Schule im Grünen in Malchow war nach Informationen der Berliner Zeitung noch nicht so weit.

Für Autisten wird es beispielsweise extra Ruheräume geben, für Hörbehinderte eigene Sprachlabore, für Sehbehinderte besondere Hilfen. Dafür sind zusätzliche Sonderpädagogen nötig, über die genauen personellen Konsequenzen werde noch verhandelt, hieß es.

Zusätzliche Pädagogen

Die neuen Schwerpunktschulen sollen pro Klasse höchstens drei Kinder mit dem festgelegten sonderpädagogischen Schwerpunkt aufnehmen. „Diese Schulen stellen ein Angebot an die Eltern dar, die sich eine integrative Schule gewünscht haben“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Viele Eltern hätten aber bisher nur in den Sonderschulen gute Bedingungen für ihr Kind vorgefunden.

Tatsächlich sollen Eltern weiter Wahlfreiheit haben. Bestimmte Förderzentren (Sonderschulen), die auf Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung oder auf andere Defizite spezialisiert sind, soll es weiter geben. Doch werden die Fahrtwege länger, kritisieren betroffene Eltern. Scheeres betonte, ihr mittelfristiges Ziel sei, dass Schüler mit oder ohne Behinderung gemeinsam lernen sollen.

Bis zum Schuljahr 2021/22 sollen insgesamt 36 solcher Schwerpunktschulen entstehen, jedes Schuljahr kommen sechs hinzu. Viele Eltern behinderter Schüler sind skeptisch und sehen ihre Kinder in den kleinen, gut betreuten Lerngruppen an Sonderschulen besser aufgehoben. Zumal nun die tatsächliche Betreuung durch Sonderpädagogen und vor allem auch durch Schulhelfer noch ungeklärt ist.

Eltern und Lehrer skeptisch

Die Bildungsverwaltung legt indes Wert darauf, dass es zusätzliche Lehrerstunden, Sonderpädagogen, Sozialarbeiter und Betreuer geben werde. Außerdem würde allen Lehrkräften eine Fortbildung finanziert. Hilfreich sei es für die behinderten Schüler auch, dass sie an den Schwerpunktschule auf Kinder und Jugendliche mit ähnlicher Behinderung treffen. Das befördere die Peergroup-Bildung.

Die meisten Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind ohnehin nicht diese schwerbehinderten Schüler, sondern die lern- und sprachbehinderten sowie verhaltensauffälligen Kinder. Um die UN-Konvention der Inklusion umzusetzen, soll es für Letztere künftig deutlich weniger Förderschulen geben. Vielmehr ist es politisch gewünscht, dass sie meist an Regelschulen gemeinsam mit anderen Schülern unterrichtet werden. Auch das sehen viele Lehrer und betroffene Eltern kritisch, zumal es zunächst nur eine pauschale Zuweisung an Sonderpädagogen geben und der Förderstatus der Kinder erst während des Schulbesuches festgestellt werden soll.