Berlin - Für die Fahrgäste in Mitte ist die Zeit der Tunnelsperrungen noch nicht vorbei. Zwar wird die U-Bahn-Linie U 6 ab Sonntag wieder durchgehend befahren. Der Abschnitt zwischen den Bahnhöfen Französische Straße und Friedrichstraße, der seit fast 17 Monaten außer Betrieb war, wird gegen 7 Uhr wieder eröffnet, bekräftigten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Doch dafür wird Ende der kommenden Woche der Verkehr im Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn eingestellt – bis zum zweiten Advent. Und das ist erst der Anfang: Nächstes Jahr wird dort der Betrieb erneut unterbrochen. Dann dauert die Sperrung noch länger.

Zumindest die Fahrgäste der U 6 haben Grund aufzuatmen. Sie müssen erst mal keinen Pendelverkehr mehr ertragen, und sie müssen die rund 500 Meter lange Streckenlücke nicht mehr zu Fuß überbrücken.

Der Abschnitt unter der Kreuzung Unter den Linden / Friedrichstraße war Ende Juni 2012 gesperrt worden, damit der Tunnel neu gebaut werden konnte. Dies war nötig, weil dort ein neuer U-Bahnhof entsteht, in dem die geplante Verlängerung der U 5 die U 6 unterquert.

„Wir sind pünktlich fertig geworden“, so die BVG. Aber das ist relativ. Anfangs hieß es, dass die U-Bahn in Mitte von Juli 2011 bis Juli 2012 unterbrochen werden soll. Die jetzige Sperrung hat fast fünf Monate länger gedauert. Und es bestand die Gefahr, dass sich die Wiedereröffnung bis zum Dezember verschiebt.

Zwangsunterbrechung drohte

Auf der U-Bahn-Baustelle an der Kreuzung Unter den Linden/ Friedrichstraße habe es Anlaufprobleme gegeben, heißt es in einem internen Bericht. Offenbar wurde zunächst zu wenig Personal eingesetzt, es gab Defizite bei der Logistik und Verzögerungen beim Bau der Baugrubenwände.Folge war, dass die Fahrbahn der Friedrichstraße später als geplant fertig wurde. Sie wird nun erst im kommenden Frühjahr für den Straßenverkehr freigegeben. Die drohende Verzögerung der U-6-Wiedereröffnung konnte der Senat abwenden. Die Bauleute von Bilfinger legten sich ins Zeug – mit Erfolg.

Es wurde auch höchste Zeit. Denn nur wenige Wochen hätten gefehlt, und sowohl die U 6 als auch der nicht minder wichtige Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn wären zur selben Zeit gesperrt worden. Denn die Deutsche Bahn (DB) kann die nötigen Arbeiten in ihrem Tunnel nicht mehr aufschieben. „DB Netz hätte ihn spätestens zu Januar 2014 aus Sicherheitsgründen geschlossen – egal, ob die U 6 bis dahin fertig geworden wäre oder nicht“, so ein Eisenbahner. Die dringendsten Bauarbeiten sollten schon Ende des vergangenen Jahres beginnen. Jetzt wird der S-Bahn-Tunnel zwischen Nord- und Anhalter Bahnhof von Freitag, 22 Uhr, bis 9. Dezember, 1.30 Uhr, gesperrt. Den täglich 80 000 Fahrgästen der betroffenen Linien S 1, S 2 und S 25 wird geraten, auf andere Strecken auszuweichen.

Die Bahn lässt im Tunnel nicht nur wie angekündigt 15 Kilometer verschlissene Schienen tauschen, sondern auch Defekte beheben. So hat eine Dauer-Signalstörung dazu geführt, dass sich die Durchlassfähigkeit stark verringert hat. Eine Weichenstörung im Bahnhof Potsdamer Platz, die den Verkehr tagelang eingeschränkt hat, konnte bisher nur notdürftig repariert werden.

Es gibt also viel zu tun. So viel, dass die Nord-Süd-Strecke der S-Bahn im nächsten Jahr nochmals wegen Bauarbeiten gesperrt werden muss – voraussichtlich ab September 2014, vier bis sechs Wochen lang und auf einem längeren Abschnitt: zwischen Gesundbrunnen und Anhalter Bahnhof. Auch auf der U 6 in Mitte stehen erneut Arbeiten an – diesmal an Signalen. Dazu wird es 2014 einige Wochen lang wieder Pendelverkehr geben, so die BVG.