Koks (Symbolbild)
Foto: Milos Jokic

BerlinNach der Großrazzia gegen eine Dealer-Bande in der vergangenen Woche haben die sechs Tatverdächtigen Haftbefehl wegen bandenmäßigen Drogenhandels erhalten. Drei von ihnen sitzen nach Angaben der Staatsanwaltschaft inzwischen in Untersuchungshaft. Die anderen drei, darunter der Fahrer und der Bunkerverwalter, wurden von der Untersuchungshaft verschont. Bei den Dealern handelt es sich um Männer zwischen 18 und 39 Jahren. Nach Informationen der Berliner Zeitung sind es Mitglieder sowie Freunde der deutsch-libanesischen Großfamilie C. Sie sollen einen Lieferservice für Kokain betrieben haben. Die Geschäfte wurden von einer Bar aus in Hellersdorf organisiert.

Die Masche mit sogenannten Taxis ist nicht neu. Sie wurde in den 90er-Jahren bereits von vietnamesischen Zigarettenhändlern betrieben. Sie entschieden sich damals für diese Methode, nachdem der Druck der Sicherheitsbehörden stark zugenommen hatte. Versuche, die heiße Ware mit der Post zu versenden, scheiterten nach Erkenntnissen der Ermittler   an den Lieferfristen. Drogen müssen schnell geliefert werden, heißt es in der Szene. Bestellt wird über Telefon oder SMS. Dabei werden die Drogen als Obst deklariert, um nicht aufzufallen. Die Übergabe vom Fahrer des Drogen-Taxis ist unauffällig und geht schnell. Bestellen, Liefern, Bezahlen: fertig. Diese Handelsform ist auch nach Einschätzung von Polizisten vor allem für die Abnehmer sicherer als der Drogenkauf in der Öffentlichkeit, etwa im Görlitzer Park.

Das Koks stammt von Großhändlern

Bereits im Januar dieses Jahres waren der Polizei verstärkt Dealer auf Rädern in der Stadt aufgefallen. Der Stoff stammt von Großhändlern. Er wird portioniert und je nach Bestellung ausgeliefert. Wegen der großen Nachfrage braucht der Kurier am Wochenende bis zu einer Stunde, um zu liefern. In der Woche geht es um die Hälfte schneller. Der Kunde zahlt bis zu 80 Euro für ein Gramm.

Die Polizei erfasst solche Fälle wegen der Häufung seit Mai systematisch. Dabei fanden die Fahnder heraus, dass sich das Netz nicht nur auf Kreuzberg, Reinickendorf und Neukölln beschränkt. Geliefert wird nach Polizeiangaben nun auch nach Hellersdorf, Weißensee, Marzahn,  Ahrensfelde und Blankenfelde-Mahlow.

Die jetzt verhafteten Dealer aus der Familie C. sind bei den Drogenfahndern bekannt. Der Clan kam in den 80er-Jahren aus dem Libanon nach Berlin. Die Familie ist geteilt. Der eine Teil ist auf Drogenhandel spezialisiert, der andere auf Prostitution und Falschgeld, sagen Polizisten.

Der Kokskonsum hat in Berlin zugenommen. Nach einer Analyse des Abwassers durch Experten der TU Dresden stieg die ausgeschiedene Menge Koks pro 1 000 Einwohner am Tag in Milligramm von 290,6 im Jahr 2017 auf 343,1 im vergangenen Jahr.