Berlin - Nun testet auch Berlin Körperkameras für Polizisten und Feuerwehrleute. Zeit wird’s. SPD-Innensenator Andreas Geisel musste einräumen: „Wir sind spät dran.“ 2020 wurde ein Spitzenwert von über 7500 Angriffen auf Polizisten registriert. Die Hälfte ereignete sich in zunächst alltäglich scheinenden Situationen. Doch schon eine Verkehrskontrolle kann eskalieren, weil ein betrunkener Fahrer ausrastet. Nicht besser ergeht es den Besatzungen von Rettungswagen der Feuerwehr. Sanitäter und Notärzte werden immer öfter Ziel von Attacken.

Bodycams dienen der Beweissicherung: Mit den Aufnahmen kann festgestellt werden, wie sich der Polizist und sein Gegenüber verhalten haben. Der 1. August, als die Polizei gegen „Querdenker“ vorging, was ihr den Vorwurf überzogener Gewalt einbrachte, wäre dafür ein guter Tag gewesen. Andererseits dienen die Kameras nachweislich der Deeskalation. Das aggressive Gegenüber kühlt sich schnell ab, wenn gedroht wird: „Ich schalte jetzt die Kamera ein!“

Schon 2016 hatte sich Rot-Rot-Grün auf einen Testlauf für Bodycams verständigt. Da testete die Bundespolizei längst an Berliner Bahnhöfen. In Bayern wurde die Polizei inzwischen landesweit mit Kameras ausgestattet. Hessen hat die Bodycam als erstes Land bereits seit fünf Jahren im Einsatz.

Und Berlin? Hier war die Koalition aus SPD, Linken und Grünen vor allem damit beschäftigt, ein neues Versammlungsgesetz mit gelockertem Vermummungsverbot oder ein Antidiskriminierungsgesetz zu beschließen – für viele ein Ausdruck des Misstrauens gegen die Polizei. Erst im März einigte man sich auf das neue Polizeigesetz. Deshalb kann erst jetzt für den Schutz der Polizisten und Feuerwehrleute Geld in den Haushalt eingestellt werden. Zudem muss der Großauftrag öffentlich ausgeschrieben werden. Bis zur flächendeckenden Einführung dürfte es Jahre dauern.