S-Bahn-Fahrgäste ärgern sich. Ein neuer Fahrzeugengpass führt dazu, dass die S-Bahn vielerorts noch voller ist als sonst. Züge, die normalerweise acht Wagen haben, bestehen nur noch aus sechs Wagen. Davon sind auch stark genutzte Linien wie die S 1 zwischen Wannsee und Oranienburg sowie die S 7 zwischen Ahrensfelde und Potsdam betroffen. Zum Teil sind sogar noch kürzere Züge im Einsatz. Der Wagenmangel nervt auch das Fahrpersonal. „Die Fahrgäste lassen ihre Wut an uns ab“, klagte ein S-Bahner. „Wir müssen es ausbaden, dass die S-Bahn nicht genug Fahrzeuge hat.“

„Es gibt derzeit einen Rückgang der Fahrzeugverfügbarkeit, der auch in Form teilweise verkürzter Züge zu spüren ist“, bestätigte Elke Krokowski vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). „Eine größere Zahl an Fahrzeugen wartet auf Aufnahme in die Werkstätten.“

Im Berufsverkehr wird es eng

S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz: „Derzeit stehen uns täglich bis zu 25 Viertelzüge weniger zur Verfügung.“ Viertelzüge sind die kleinste Zugeinheit bei der S-Bahn – jeder besteht aus zwei Wagen, die fest miteinander verbunden sind. Es geht also um bis zu 50 Wagen, die fehlen. Zum Vergleich: Das werktägliche Fahrzeug-Soll beträgt derzeit 537 Viertelzüge, in den Sommerferien 525. Damit stehen knapp fünf Prozent der Flotte nicht zur Verfügung. Bei einem Verkehrsmittel, das auf einigen Linien morgens und nachmittags an der Kapazitätsgrenze steht, ist diese Ausfallquote spürbar. 

Es kommt sogar vor, dass ein Zug lediglich aus vier Wagen besteht – wie jüngst auf der S 1 zwischen Wannsee und Frohnau. „Wenn im Berufsverkehr eine Fahrt ausfällt und wir kommen dann mit einem so kurzen Zug an, ist der Ärger auf dem Bahnsteig groß“, so ein S-Bahn-Fahrer. „Die Reduzierung von sechs auf vier Wagen wollen wir in jedem Falle vermeiden, was leider nicht in jedem Fall gelingt“, sagte Priegnitz.

Der Fahrzeugpark der S-Bahn ist ohnehin schon knapp. Nun ist er noch knapper geworden. Warum? Der Sprecher erklärte es so: „Derzeit werden umfangreiche Sanierungs- und Ertüchtigungsmaßnahmen an allen S-Bahn-Baureihen durchgeführt.“ Wenn Züge für die Zukunft fit gemacht werden, wirkt sich das bei den älteren Baureihen 480 und 485 nicht auf die Verfügbarkeit aus – bei der Baureihe 481 dagegen schon. Bei dem jüngsten Fahrzeugtyp, der den Großteil der Flotte bildet, sind während des Höhepunkts der S-Bahn-Krise vor sieben Jahren alle Radsätze getauscht worden. Wenn die S-Bahnen eine bestimmte Kilometerzahl erreicht haben, fordern die Vorschriften einen erneuten Austausch. Diese Laufleistungen werden jetzt erreicht – und deshalb müssen alle Wagen dieses Typs nach und nach in die Werkstatt, hieß es.

„Das konnte man vorhersehen. Warum hat man sich nicht besser darauf vorbereitet?“, fragte der S-Bahn-Fahrer. Die Arbeiten seien „umfassend geplant und vorbereitet worden“, entgegnete Ingo Priegnitz. Aber dann kam ein Problem dazwischen: „Aufgrund von Lieferengpässen beim Hersteller der Radsätze ist es in den letzten Wochen zu Verzögerungen gekommen.“ Dadurch stünden die Fahrzeuge länger in den Werkstätten als vorgesehen.

Schäden durch Unwetter

Das Wetter, das den Berlinern in diesem Sommer viele Unwetter beschert, habe zu weiteren Ausfällen geführt. „Die Wetterkapriolen in den letzten Wochen haben dazu geführt, dass mehr als ein Dutzend Viertelzüge beschädigt worden.“ Sie zu reparieren, sei ziemlich langwierig.

Die Disponenten, die den Betrieb steuern, versuchen die Folgen des Fahrzeugmangels zu lindern. Inzwischen werden die Werkstätten pünktlich mit neuen Radsätzen beliefert, außerdem wurde das zuständige Team in der Werkstatt verstärkt. Priegnitz: „Wir gehen davon aus, dass wir spätestens mit Ende der Sommerferien alle Verzögerungen aufgeholt haben und wieder im ursprünglichen Zeitplan sind.“ Das hofft der S-Bahn-Fahrer auch: „Ich habe keine Lust, mich täglich beschimpfen zu lassen.“