Ein rotes Signal an den Gleisen bedeutet: anhalten, weiterfahren verboten. Wer es ignoriert, dem droht Gefahr – für sich und seine Fahrgäste. Wie jetzt bekannt wurde, ist es bei der Berliner S-Bahn vor einigen Tagen zu einem solchen Vorfall gekommen – zum Glück ohne Folgen für die Passagiere zweier S-Bahn-Züge.

In Waidmannslust fuhr demnach ein S-Bahn-Fahrer am 30. April dieses Jahres mit seinem Zug an einem Halt-Signal vorbei – auf einem Gleis, auf dem ihm in einiger Entfernung ein anderer S-Bahn-Zug entgegenkam. Erst an der nächsten Weiche erkannte der S-Bahner, dass etwas nicht stimmte.

Doch nicht er meldete die Situation dem Fahrdienstleiter, sondern der Fahrer des entgegenkommenden S-Bahn-Zuges, der ihm wegen Bauarbeiten im selben Gleis entgegenfuhr und infolge des Vorfalls plötzlich ein rotes Signal bekommen hatte.

„Der Vorfall wird umfassend untersucht, die Ursachen werden lückenlos aufgeklärt“, teilte eine Bahnsprecherin auf Anfrage der Berliner Zeitung mit. „Der betreffende Triebfahrzeugführer wird bis dahin zunächst nicht mehr eingesetzt“, sagte sie. Er habe sich „nicht gemäß den Richtlinien verhalten“. Eine Gefahr für die Fahrgäste im Zug habe aber nicht bestanden. „Die mehrstufigen Sicherheitseinrichtungen haben ordnungsgemäß funktioniert, die Zwangsbremsung des Zuges wurde ausgelöst“, erklärte die Bahnsprecherin.

Neues Sicherungssystem

Die Kontrollsysteme zeigte dem Gegenzug und der Fahrdienstleitung die unberechtigte Weiterfahrt an. Der Bereich ist mit dem neuen Zugsicherungssystem ZBS ausgestattet. Es konnte umsichtig reagiert werden, die Sicherheit des Zugbetriebs blieb gewährleistet, hieß es.

„Sie hatten Glück, dass der Gegenzug noch vor dem Signal war und somit rechtzeitig gestoppt wurde“, entgegnete ein S-Bahner. Im Stellwerk fand dem Vernehmen nach zum Zeitpunkt der Rot-Fahrt eine Ablösung statt. „Der Fahrdienstleiter hat den Vorfall erst mitbekommen, als sich der Gegenzug meldete.“ Der S-Bahner ist sich sicher: Dieser Vorfall hätte üble Folgen haben können.