BeLaSound abgesagt: Festival in Plötzensee fällt ins Wasser

Es hat sich so schön angehört: BeLaSound. Ein latin-deutsches Kulturfestival mit 20 Bands aus Lateinamerika, Europa, Deutschland und vielen Workshops. Drei Tage lang, mitten im Juni , sollte im idyllischen Freibad Plötzensee mit Platz für 12 000 Besucher gefeiert werden. Das sollte wieder so eine Vorzeigeveranstaltung für die Multi-Kulti-Hauptstadt Berlin werden.

Aber daraus wird nun nichts. Und noch schlimmer ist die Begründung, die der Veranstalter Jan Stens für die Absage nennt: Er wirft der Stammbelegschaft des Strandbades fremdenfeindliche und rassistische Beleidigungen und Bedrohungen vor. Erik Müller, der das Bad im Wedding gemeinsam mit einem Partner von den Bäderbetrieben gepachtet hat, weist dies als ehrabschneidend und absurd zurück.

Jan Stens, der die Eventagentur Departement S. betreibt, hat den Eklat am Donnerstag öffentlich gemacht. „Kulturfestival ist Opfer von fremdenfeindlichen Übergriffen geworden“, steht über seiner Presseerklärung. Am Rande des Nike-Frauenlaufes in Plötzensee seien seine Mitarbeiter aufgefordert worden, „nach Negerland“ zurückzukehren, und er selbst sei verprügelt worden. Deswegen habe er das Festival im Freibad abgesagt und sei nun mit dem Yaam in der Luckauer Straße als Ersatz im Gespräch. „Wir organisieren doch eine Veranstaltung, die für Integration eintritt und gegen Rassismus.“ Auf Nachfragen bestätigt Stens, der auch schon das Restaurant im Freibad gepachtet hatte, aber auch, dass die Bauaufsicht des Bezirks Mitte BeLaSound in der geplanten Form in Plötzensee ohnehin untersagt hat.

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In der Version von Erik Müller ist das der zentrale Punkt. Er glaubt, dass Stens nur einen Weg suche, aus den bereits geschlossenen Verträgen für die Nutzung des Bades vom 14. bis zum 16. Juni auszusteigen. Kostenpunkt: 50 000 Euro. Schon bisher sei Stens Pachtzahlungen schuldig geblieben. Seinen knapp zehn Mitarbeitern eine rassistische Haltung zu unterstellen, sei „eine bodenlose Frechheit“, sagt Müller. Nur zwei von ihnen seien deutscher Herkunft. „Der will in eine Kerbe hauen, die immer funktioniert: Der Vorwurf, wir seien rechtsradikal.“

Wegen der Prügelei liegen bei der Polizei Anzeigen vor, in denen sich die Beteiligten wechselseitig beschuldigen. Neben Stens war der Pächter eines Crêpe-Standes involviert. In dem Streit soll es auch um offene Zahlungen gegangen sein.