Er ist einer der beliebtesten Regionalzüge im Osten Deutschlands. Bei gutem Strandwetter drängen sich viele Berliner in den vier Doppelstockwagen, um an die Ostsee zu reisen. Aber auch Fahrgäste aus Rostock, Waren und Neustrelitz schätzen den Warnemünde-Express, weil er andere Züge entlastet. Doch all das ist dem Verkehrsministerium Mecklenburg-Vorpommern egal. Denn diese Saison soll für den Wochenendzug die letzte sein. Zum Fahrplanwechsel im Dezember fällt er weg, sagte eine Sprecherin von Minister Christian Pegel (SPD).

„Ab dem Jahresfahrplan 2015 wird dieser Zug nicht mehr bestellt“, teilte sie der Berliner Zeitung mit. Weil der Warnemünde-Express als Regionalverkehr eingestuft ist, muss er von den Bundesländern bezahlt werden. Doch nach Einschätzung der Schweriner Ministerialen diene er vor allem der überregionalen Verbindung von Berlin zur Küste. Mit Regionalverkehr, der Reiseweiten von bis zu 50 Kilometern umfasst, habe er nicht viel zu tun.

Hoffnungslos überfüllt

Als Ausgleich für die Streichung werden die Regionalexpresszüge zwischen Berlin und Rostock um einen auf fünf Wagen verlängert. Lächerlich, entgegnete Stefan Kohte vom Verkehrsclub Deutschland. Auch mit fünf Wagen würden die Regionalexpresszüge, die nur zweistündlich fahren, die vielen Fahrgäste bei schönem Wetter nicht fassen. Schon öfter musste die Bundespolizei in den vergangenen Jahren Wagen in Berlin räumen, weil sie hoffnungslos überfüllt waren – obwohl parallel der Warnemünde-Express fuhr und ebenfalls mehr als gut ausgelastet war. „In Mecklenburg-Vorpommern hat man nicht begriffen, dass 45 Prozent der Berliner Haushalte ohne Auto leben“, sagte Kohte. Für den Tourismus im Norden sei der Zug sehr wichtig. Aber auch Wochenendpendler aus Mecklenburg profitierten davon.

Mit der Streichung verschlechtert sich die Verbindung von Berlin ans Meer weiter. Wie berichtet fiel der Usedom-Express bereits weg.