Berlin - Die ersten 100 Tage sind geschafft – erstmals hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa nun im Auftrag der Berliner Zeitung gefragt, wie die Berliner die Arbeit der neuen Berliner Senatoren bewerten.

In den Ergebnissen zeigt sich eine klare Tendenz: Bislang gehen die Spitzenplätze in dem Beliebtheitsranking an die Vertreter der SPD. Alle Spitzenplätze? Nein. Erstmals seit seinem Amtsantritt Ende 2014 steht der Regierende Bürgermeister Michael Müller nur noch auf dem zweiten Platz. Von der Spitze hat ihn Kultursenator Klaus Lederer verdrängt.

Wichtige Senatorinnen hinten

Dieses Ergebnis zeigt zweierlei: Zum einen, dass die Affäre um den Stasi-belasteten Staatssekretär Andrej Holm der Linken in den Umfragen nicht geschadet hat. Seit Anfang des Jahres liegt die Partei stabil bei 15 Prozent, das entspricht ziemlich genau ihrem Ergebnis bei der Abgeordnetenhauswahl im September.

Zum zweiten sinkt die Zufriedenheit mit Müller. Als Forsa vor der Wahl zuletzt nach der Beliebtheit der Berliner Spitzenpolitiker fragte, kam Müller auf einen Zustimmungswert von 1,2. Jetzt ist dieser Wert auf 0,9 gesunken.

Möglicherweise ist das Urteil der Umfrageteilnehmer beeinflusst von den Querelen um den zukünftigen Hauptstadtflughafen BER – vor wenigen Wochen zog sich Müller nach einem Eklat mit dem damaligen Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld zurück. Vielleicht lasten sie ihm aber generell den äußerst holperigen Start der Dreierkoalition an.

Die Beliebtheitswerte der anderen SPD-Senatoren haben sich nur wenig verändert. Andreas Geisel genießt in seinem neuen Amt als Innensenator – vor der Wahl war er für Stadtentwicklung verantwortlich – eine hohe Akzeptanz. Die Arbeit von Schulsenatorin Sandra Scheeres bewerten die Umfrageteilnehmer dagegen unverändert kritisch.

Auch zwei wichtige Senatorinnen der Grünen und der Linken haben die Befragten offenbar noch nicht überzeugt: Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne), die mehr für Radfahrer tun und den Autoverkehr begrenzen will. Und Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke), die den Mietenanstieg begrenzen soll.

Eine überraschend deutliche Bewegung gibt es bei der Frage nach den Wahlabsichten: Die CDU gewinnt hier sowohl auf Landes-, als auch auf Bundesebene deutlich. Zwar liegt die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Martin Schulz in der Gunst der Berliner Befragten weiterhin vorn.

Die Union mit Kanzlerin Angela Merkel holt jedoch vier Prozentpunkte auf. Möglicherweise hat das Ergebnis der Landtagswahl im Saarland die Umfrageteilnehmer beeinflusst – dort gewann die CDU überraschend deutlich, die SPD blieb deutlich hinter den Erwartungen.

Die Landes-CDU profitiert offenbar davon, dass die AfD in der Umfrage an Beliebtheit verliert. Hier könnten die Diskussionen um den Thüringer Landeschef Höcke eine Rolle spielen – seit der Bundesvorstand wegen seiner Holocaust-Äußerungen ein Ausschlussverfahren angestrengt hat, ist die Partei noch zerstrittener, Bundessprecherin Petry erwägt offenbar einen Rückzug.