Berlin - Als die Band Bell, Book & Candle 1997 mit ihrem Hit „Rescue Me“ die Charts eroberte, wussten die wenigsten, dass die Musiker Berliner waren. Amerikanisch und unnahbar hätten sie gewirkt, mit einer kühlen, wunderschönen Sängerin. Dann verschwand die Band aus der ganz großen Öffentlichkeit. Zum 20-jährigen Jubiläum der Band spricht die ganz und gar nahbare Sängerin Jana Groß über Chancen, Entscheidungen, Ängste und Hoffnungen ihrer Gruppe.

20 Jahre „Bell, Book & Candle“. Was für ein Gefühl hast du bei dem Gedanken?

Es ist auf alle Fälle die Hälfte meines Lebens, die ich mit meinen engsten Freunden verbracht habe. Und das ist einfach eine tolle Sache. Es ist etwas, das uns eint, und ich hoffe, dass das noch bis zur Rente so geht. Falls man als Künstlerin noch eine Weile gut aussieht, heißt das. Alles andere scheint ja nicht so wichtig zu sein.

Der Mensch, das Augentier? Was ist denn mit der Musik?

Ich habe über die Jahre gelernt, dass recht viel vom Äußeren abhängt. Man muss nicht mal singen können. (lacht)

Ist das so?

Es hat sich sehr gebessert. In den aktuellen Casting-Shows sind sehr gute Stimmen zu hören. Und die Leute dazu sehen auch nicht mehr aus wie Max Mustermann. Auch ich nehme das sehr ernst. Früher war ich da etwas lockerer. Ich hatte auch eher Angst vor den vielen Gästen auf den Konzerten. Mich hat das damals total überrollt. Nicht wegen des Lampenfiebers, sondern einfach, weil ich nicht wusste wie ich mit den Leuten reden sollte.

Lag das an eurer Hit-Single „Rescue Me“, die 1997 in vielen Ländern in den Top Ten lief?

Teilweise, ja. Es lag aber auch an meiner Persönlichkeit damals. Ich hatte echt Angst vor großen Menschenmengen. Heute finde ich das super und suche sehr gerne den Kontakt zu den Leuten.

Klingt so, als wärst du damals schüchtern gewesen.

War ich auch. Und bin ich immer noch. Viele Frauen, die ich kenne, müssen immer gleich irgendwen anrufen, wenn sie allein zu Hause sind. Ich gehe lieber im Wald joggen und freue mich, dass mich niemand erreicht.

Tobias Künzel, Sänger der Prinzen, erzählt gerne die Geschichte, dass euer Bassist Hendrik dich damals in der Küche hat singen hören. Das sei der Grundstein für eure Band gewesen. War das so?

Na ja, fast. Ich bin damals mit 19 Jahren nach dem Abitur verschiedenen Jobs nachgegangen und habe mich nach einer richtigen Aufgabe gesehnt. Daraus wurde dann ein Kinderwunsch. Mit 21 Jahren bekam ich Tom. Und als Mutter wollte ich, dass es ihm gut geht. Als die Idee mit der Band aufkam und alle sagten, ich könne gut singen, habe ich daran geglaubt. Ich bin nicht zu Hendrik und habe gesagt: „Hier, höre mal.“ Das hat sich einfach ergeben. Und er hat vermutlich gedacht: „Die nehmen wir, die sieht auch ganz gut aus.“ (lacht)

Künzel nannte Dich mal eine kühle Schönheit, in die jeder Musiker damals ein bisschen verliebt war.

Das habe ich auch gehört. Aber diese unnahbare, leidenschaftliche Art meinerseits bezog sich immer auf unsere Show auf der Bühne. Ich fühle meine Musik so. Privat bin ich eine nette Person.

Gibt es Verehrer, die Dir schreiben?

Eher Frauen. Ich habe über die Band aber generell viele tolle Menschen kennengelernt.

Was passierte nach „Rescue Me“?

Wir waren überall auf Tour, auch in den Staaten. Dort hatten wir das Angebot, zu bleiben. Ich habe mich für meinen Sohn entschieden. Als wir zurück kamen, waren die Fans der ersten Stunde weg. Wir hätten nach dem Erfolg vermutlich einfach hier sein müssen. Das, was musikalisch normalerweise wächst, war bei uns einmal da, und dann wieder weg. So einen großen Hit zu haben, zieht auch Dinge nach sich, die nicht so toll sind.

Im Jahr 2005 kam euer letztes Studioalbum „Bigger“. Wo sind BB&C jetzt?

Die Platte hat uns sehr viel Geld und Energie gekostet, war aber finanziell nicht so erfolgreich, wie es von uns gewünscht wurde. Daher schrecken wir davor zurück, das Risiko wieder einzugehen. Wir haben uns umgestellt...

...auf akustische Musik?

Ja. Darin haben wir uns gefunden. Wir haben sehr viel Spaß daran. Ich bin auch viel dichter an den Menschen, die unsere Konzerte besuchen.

Bleiben BB&C dabei?

Ich hoffe, dass wir wieder in die größere Produktion einsteigen können. Ich mag Streicher , Chöre und weite Klänge. Ich habe wieder Lust auf Epos in der Musik.

Das heißt, dass wir auf das neue Album noch etwas warten müssen?

Etwas. Wir haben viele Songs geschrieben, die Neuland für uns sind. Es klingt gar nicht mehr nach Lagerfeuermusik oder eben „Rescue Me“.

Dafür wird es erstmals einen Live-Mitschnitt geben.

Ja, wir filmen unsere akustischen Konzerte in der Christophoruskirche in Friedrichshagen. Es gab letztes Jahr so viel positive Resonanz, dass wir beschlossen, das zu verewigen.

Warum dort?

Der Klang ist orchestral und hat etwas Magisches. Dazu die Lichtshow und diese tolle Architektur. Es gibt für eine Live-DVD hier gerade keinen besseren Ort.

Bell, Book & Candle in der Christophoruskirche, Berlin Friedrichshagen, 27. und 28.12.2013 um 20 Uhr, Karten an der Theaterkasse Bölschestraße 110 oder unter 030-74785255

Das Gespräch führte Denis Winkelmann