Säulen und Pfeiler sind die Würdezeichen der klassischen europäischen Architektur schlechthin, mehr noch als Giebel oder die Verwendung von kostbaren Steinmaterialien. Und doppelte, also eng aneinander stehende Säulen weisen gleich hinüber in die besten Schöpfungen der Renaissance und des Barock, hin zu Werken Michelangelos, aber auch der monumentalen Ostfassade des Louvre, die nach den Plänen von Charles Perrault bis 1674 im Auftrag Ludwig XIV. entstand. Sie war eine der Gründungsbauten der absolutistischen Staatsarchitektur, wurde international immer wieder kopiert und bis in amerikanische Museumsarchitekturen des 20. Jahrhunderts hinein variiert. Von Säulen getragene, in allen ihren Schiffen ungefähr gleich hohe Hallen haben zudem eine lange Geschichte in der Kirchenarchitektur bis in die Spätantike, aber auch in derjenigen von bürgerlichen Rathäusern und Markthallen. Woran man aber eher nicht denkt, wenn über solche Räume gesprochen wird, ist die Funktion des Bahnhofs. Und schon gar nicht die eines Flughafenbahnhofs.

Nun ist der Bahnhof BER sicherlich so wenig wie der Flughafen darüber eine die Architekturgeschichte neu schreibende Schöpfung, wie es Michelangelo oder Perrault gelang. Dennoch, deren Bauten sind der architekturhistorische Hintergrund vor dem der Bahnhof BER, entworfen von den Flughafen-Architekten Gerkan, Marg und Partner, so besonders wirkt. Er ist nämlich, vor denen helle Lichtbänder in der Decke zusammen mit dem schwarzen Strich auf dem Fußboden die Abstandszone zu den Gleisen markieren.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.