Benefiz-Kunstauktion: Für Frauen und Flüchtlinge

Berlin - Kani Alavi hat Blumen geliefert, Siegmund Hahn eine Kirche, Tomi Ungerer ein altes Ehepaar und Klaus Staeck eine Collage zum Thema Geld. Am Sonntag kommen sie in Kreuzberg unter den Hammer. Etwa hundert gespendete Kunstwerke werden dann in der Heilig Kreuz Kirche versteigert, weitere 550 kann man im Galerieverkauf erwerben. Und das alles für einen guten Zweck. Mit dem Erlös werden Projekte für Migranten und Flüchtlinge unterstützt. Die evangelische Kirche veranstaltet bereits zum 17. Mal eine solche Auktion.

Tina Sackermann ist eine unermüdliche Gönnerin dieser Auktionen. Im Jahr 1999 hat sie zum ersten Mal Bilder gespendet. Seitdem immer wieder. Es ist wohl nicht nur die Idee, mit der Kunst Gutes zu tun, die sie reizt, sondern auch die Flüchtlingsthematik. „Ich habe eine Neugierde auf das Fremde“, sagt sie. Und das hat auch mit Berlin zu tun. „Ich bin 1981 aus einer Kleinstadt zum Kunststudium nach Berlin gekommen“, sagt die heute 51-Jährige. Im Studentenwohnheim lernte sie damals eine Koreanerin kennen, später Griechen, Araber, Syrer, als sie ihre erste Wohnung in Neukölln bezog.

Sie unternahm viele Reisen, und das wurde später zu einem Thema ihrer Kunst. Das Leben ist bunt auf Sackermanns Bildern. Das betrifft die Farbenpracht auf ihren Gemälden, aber es gilt auch in kultureller Hinsicht. Auf ihrer Internetseite (www.sackermann.de) kann man das sehen: Motive aus Nordafrika, Syrien, Amerika, Frankreich. Wer möchte, kann die Künstlerin in ihrem Atelier in Potsdam-Babelsberg besuchen, wo sie auch lebt.

Gute Nachfrage

Zu Syrien hat Tina Sackermann eine besondere Beziehung. In der Vergangenheit hat sie dort wiederholt ausgestellt. „Es ist furchtbar, den jetzigen Konflikt und die Zerstörung dort zu erleben. Die Altstadt von Aleppo habe ich immer wieder gemalt. Das Einzige, was mich tröstet, ist, dass die Stadt in der Vergangenheit schon oft zerstört worden ist, aber sie ist auch immer wieder aufgebaut worden“, sagt sie. Über die Jahre hat die Kirche mit ihren Kunstauktionen wohl über hundert Sackermann-Bilder verkauft. Und ordentlich Geld damit eingenommen.

Dieses Jahr sind zwei Sackermann-Bilder im Katalog: eine Pflanzenansicht und ein Ölgemälde mit dem Titel „Aufbruch“. Die Veranstalter wollen sich für die großzügigen Spenden in diesem Jahr auch öffentlich bei Tina Sackermann bedanken. „Es gibt eine anhaltend gute Nachfrage bei ihren Bildern“, sagt Hanns Thomä, der Kirchenbeauftragte für Migration und Integration, der die Auktion organisiert. Im Katalog sind die beiden Bilder mit 1800 und 1200 Euro ausgezeichnet.

480.000 Euro wurden mit den vergangenen 16 Auktionen insgesamt eingenommen. Das Geld geht fast vollständig an Projekte etwa für die Integration ausländischer Frauen, gegen Fremdenfeindlichkeit, für die Unterstützung traumatisierter Flüchtlinge. In diesem Jahr wurde ein Antirassismusprojekt in Joachimsthal gefördert, es gab Geld für ein Hilfsprojekt für osteuropäische Frauen in der Prostitution und eine Therapieeinrichtung für Folteropfer, beide in Berlin.

Auch Kabarettist Georg Schramm wird auftreten

Entstanden ist die jährlich wiederkehrende Auktion aus einer Notsituation der Hilfsprojekte heraus. „Nach der Wende mussten wir uns überlegen, wie wir professionell arbeitende Projekte auch ohne staatliches Geld am Leben erhalten können“, sagt Thomä. Die Förderung durch Künstler und Kunstinteressierte wird nun gezielt dazu eingesetzt, Projekten dabei zu helfen, in schwierigen Zeiten Durststrecken zu überwinden oder ihnen Geld für die Bewerbung auf Drittmittel zur Verfügung zu stellen.

Neben all den karitativen Gedanken, verspricht Thomä Auktionsbesuchern aber auch einen amüsanten Sonntagnachmittag. Die ganze Kirche wird wie eine mit Bildern vollgestopfte Galerie aussehen. Der Kabarettist Georg Schramm wird auftreten und der Auktionator folgt einer ausgefeilten Dramaturgie, die auch noch Platz für künstlerische Darbietungen lässt.