Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft hatte nicht vor, bei seiner Sitzung am Freitag Beschlüsse von größerer Tragweite zu fassen. Der Vorsitzende, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), wird seine Ämter in Kürze niederlegen, und das Land Brandenburg hat noch keine neue Regierung. Aber sicher ist sicher, und so tagte das Gremium abgeschirmt in der Feuerwache West auf dem Gelände des neuen Flughafens BER, weit weg von störenden Kameras und neugierigen Journalisten. Die warteten im Besucherzentrum des Flughafens, und sie warteten vergeblich. Nach dem Ende der Sitzung gegen 17.30 Uhr fuhr Wowereit zurück nach Berlin, ohne Fragen zu beantworten.

Aus Teilnehmerkreisen hieß es anschließend, Wowereit sei gut gelaunt und brillant vorbereitet gewesen. Längere Diskussionen habe es insbesondere über den Plan gegeben, das alte Terminal des Flughafens Schönefeld nach der Eröffnung des BER weiter zu nutzen. Flughafenchef Hartmut Mehdorn tritt vehement für diese Idee ein, um die befürchteten Kapazitätsengpässe am neuen Flughafen abzufedern. Der Aufsichtsrat gab nun grünes Licht, die Planungen zu konkretisieren. Allerdings wäre die Weiternutzung nur eine Zwischenlösung, denn der Bund will an der Stelle des Abfertigungsgebäudes sein neues Regierungsterminal zu errichten.

Schallschutz-Frist soll eingehalten werden

Ein weiteres Thema war der Schallschutz. Im nächsten Frühjahrwill die Flughafengesellschaft die Sanierung der Schönefelder Nordbahn beginnen, und den Verkehr nach Schönefeld zeitweise über die neue BER-Südbahn abwickeln. Tausende Anwohner haben dann Anspruch auf Schallschutz, bis Ende September müssen sie ihre Förderbescheide erhalten. Mehdorn versicherte, dass diese Frist eingehalten wird.

Er legte den Aufsehern auch den Bericht seiner Anti-Korruptions-Taskforce vor. Sie war tätig geworden, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den früheren BER-Technikchef Jochen Großmann eingeleitet hatte. Er soll von einem Unternehmen Geld für eine Auftragsvergabe gefordert haben. Dem Vernehmen nach ist die Taskforce auf keine weiteren Fälle gestoßen. Allerdings prüfen sie einen Verdacht, wonach es zu Preisabsprachen zwischen zwei Unternehmen gekommen sein soll.