BER: Bezirk will echte Hilfe für Lärm-Opfer

Berlin - Wenige Wochen vor der Eröffnung des Flughafens BER in Schönefeld hat sich das Bezirksamt Treptow-Köpenick ungewohnt kritisch zum Verhalten von Verantwortlichen geäußert. Bürgermeister Oliver Igel und Baustadtrat Rainer Hölmer (beide SPD) bezeichneten das Planungs- und Genehmigungsverfahren für BER am gestrigen Montag als „rechtsstaatlich bedenklich“. Für die Betroffenen im Südosten der Stadt forderten sie echte Hilfe statt wie bisher Misstrauen.
„Es ist eine Farce, wie Fluglärm-Betroffene abgespeist werden“, so Bürgermeister Igel. Anstatt wie versprochen unbürokratisch zu helfen, habe die Flughafengesellschaft dem Bauamt eine Flut von Anfragen geschickt. Man wollte wissen, ob Menschen rechtmäßig in der Lärmschutzzone wohnten – oder ob ihre Häuser einst „Schwarzbauten“ waren. Dann gäbe es keinen Anspruch auf Lärmschutz. Nicht mal 40 Prozent der Betroffenen hätten bislang Lärmschutz erhalten – laut Igel häufig „billige Lüftungstechnik“, die zu Schimmel führen könne.

Vielfach entwertete Immobilien

Der Bürgermeister teilte mit, er werde den Senat auffordern, tätig zu werden: „Grundstücke von Menschen, die wegen Fluglärms wegziehen müssen, sollen vom Land oder der Flughafengesellschaft angekauft werden.“ Und zwar zum Verkehrswert von 1996, also dem vor der „falschen Entscheidung pro Schönefeld.“ Immobilien seien heute vielfach entwertet. Es sei zudem äußerst fragwürdig, angesichtsder erst kürzlich festgelegten Müggelsee-Flugroute weder ein neues Planfeststellungsverfahren noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen. Viel mehr Regionen seien jetzt betroffen, mehr Anwohner hätten womöglich Anspruch auf Lärmschutz. Der Bezirk will auch ein Nachtflugverbot und ein Umweltmonitoring zu den Folgen der Müggelseeüberflüge.

Das Umweltmonitoring war von Bürgerinitiativen im Bezirk initiiert worden, innerhalb nur einer Woche wurde der Antrag von 2850 Menschen unterschrieben. Für einen Einwohnerantrag sind 1000 Stimmen erforderlich. Am Montagabend trafen sich knapp 2000 Teilnehmer auf dem Marktplatz in Friedrichshagen zur inzwischen 42. Montagsdemo gegen Lärm und Dreck von BER.