Berlin - Neue Tests, alte Probleme: Die Technik im neuen Schönefelder Flughafenterminal funktioniert weiterhin nicht richtig. Probeläufe haben in dieser Woche gezeigt, dass ein wichtiger Bestandteil der Brandschutzanlage immer noch nicht frei von Fehlern ist. Die Tests ergaben, dass nicht alle Türen im Gebäude korrekt gesteuert werden, erfuhr die Berliner Zeitung aus Kreisen der Flughafengesellschafter.

Zur Ausrüstung des BER-Terminals gehören Türen, die verhindern sollen, dass sich bei einem Feuer Rauch ausbreitet. In den vergangenen Monaten hatten Insider berichtet, dass die Steuerung dieser Türen zu den Schwachstellen der Brandschutzanlage gehöre. So seien viele Türen zunächst nicht oder nicht richtig verkabelt worden. Die neuen Testreihen haben nun gezeigt, dass die Türsteuerung immer noch ein Problembereich ist. Manche Türen hätten sich in bestimmten Situationen nicht geöffnet, hieß es. In einem anderen Fall sei die falsche Tür aufgegangen, so die Flughafengesellschaft FBB.

Offene Klappen, lose Kabel

Am Dienstag war die Erprobung der Brandschutzanlage wieder aufgenommen worden. Am Mittwoch gab es, wie jetzt bekannt wurde, eine zweite Testreihe. Berichten zufolge zeigte sich, dass der künstliche Nebel, mit dem Qualm simuliert wird, wie vorgesehen über Entrauchungsklappen ins Freie geführt wird. „Im Prinzip“ funktioniere die Anlage mechanisch, so ein Flughafen-Sprecher. Bei den Türproblemen handele es sich nicht um Systemfehler, die Umbauten nötig machen. Sie ließen sich beheben, indem Steuerungen umprogrammiert werden.

Bis Ende Februar sind rund 30 Tests geplant. Im März steht die Nagelprobe an: Dann wird erprobt, ob alle Teile der Brandschutzanlage im Zusammenspiel funktionieren. „Wir können nur hoffen, dass dies der Fall ist“, hieß es in Gesellschafterkreisen. Davon sei abhängig, ob der BER am 27. Oktober öffnen kann.

Der Baufortschritt ist am heutigen Freitag ein Thema im FBB-Aufsichtsrat. Bevor die Mitglieder im Bürogebäude am BER tagen, starten sie um zehn Uhr zu einem Rundgang. Vor Kurzem sah es im Terminal noch sehr provisorisch aus, berichtete ein Informant der Berliner Zeitung, der dort dienstlich unterwegs war. „Viele Klappen an Wänden und Decken waren geöffnet“, erzählte er. Hinter den Klappen verlaufen die Stränge der Haus- und Brandschutztechnik. „An mehreren Stellen waren Kabel herausgerissen“, hieß es. Ladenmieter seien aufgefordert worden, auch bei ihnen die Decken zu öffnen, weil bei der Sprinkler- und Rauchmeldeanlage nachgearbeitet werden müsse.

Suche nach Finanzvorstand läuft

Am Donnerstag musste Flughafen-Chef Rainer Schwarz der Sonderkommission BER des Bundes Rede und Antwort stehen. Er bekräftigte, dass die Mehrkosten trotz neuer Belastungen von bis zu 250 Millionen Euro 1,2 Milliarden Euro nicht übersteigen. Schwarz habe aber viele Fragen nicht beantworten können, teilte das Verkehrsministerium mit.

Aus Gesellschafterkreisen war zu erfahren, dass bereits nach geeigneten Kandidaten für den neu zu schaffenden Posten eines Finanzvorstands gesucht wird. Aus der Bundesregierung hieß es, bis zum Frühjahr müsse jemand gefunden sein. Andernfalls habe der neue Vorstand zu wenig Zeit, sich vor der Eröffnung des BER einzuarbeiten.

Berlin und Brandenburg wollen eine Erweiterung der Flughafen-Geschäftsführung zulasten von Schwarz mittragen – und sei es nur, um die Einigkeit der Anteilseigner zu wahren. Die Kandidatensuche gilt jedoch als schwierig und heikel, weil ein Fehlschlag den Ruf des Flughafens weiter beschädigen könnte. Auch deshalb wird das Auswahlverfahren streng vertraulich behandelt. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) steht nach wie vor zu Schwarz. Die Brandenburger Landesregierung beurteilt ihn kritischer, etwa wegen seines Umgangs mit dem Lärmschutz, will ihn aber nicht stürzen.