Engelbert Lütke Daldrup stieg am vorigen Sonntag in Tegel höchst leger in den Flieger, einen Airbus 330. Kleines Handgepäck, Jeans – der Chef der Berliner Flughäfen machte es sich rasch bequem in der gut ausgestatteten Business-Klasse der Hainan-Maschine, die pünktlich um 19.40 Uhr abhob und bis Peking, gegen die Erddrehung, etwa neun Stunden braucht.

Fünfmal pro Woche fliegt Hainan Airlines – die viertgrößte Fluggesellschaft Chinas und zugleich die größte private – im Sommer direkt von der deutschen in die chinesische Hauptstadt.
Dieses Mal saß Lütke Daldrup im Flieger, weil er möchte, dass das so bleibt. Und weil er mehr Asien-Direktflüge von und nach Berlin will, wenn im Oktober 2020 der BER endlich öffnet.

Lufthansa will wenig Konkurrenz in Deutschland

Am Dienstag saß der BER-Chef mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), derzeit mit einer großen Wirtschaftsdelegation in China (siehe Text links), im Hainan Airlines Building in Peking und sprach mit deren Vize-Chef Jason Liu über neue Verbindungen. Das Problem ist dabei nicht etwa der Wille, denn Hainan würde sogar lieber täglich von Berlin aus fliegen als nur fünfmal die Woche.

Doch die Flugrechte handelt die Bundesregierung in Luftverkehrsabkommen mit anderen Ländern aus – und dabei werden traditionell die Interessen der Lufthansa gewahrt, die möglichst wenig Konkurrenz in Deutschland will und ihre wichtigsten Standorte Frankfurt/Main und München pflegt. Und dies, ohne selbst Fernstrecken von Berlin aus anzubieten.

Auf Kosten Berlins

Genau das geht nicht, findet Lütke Daldrup. „Der asiatische Markt wird immer wichtiger, wir könnten auch nach Shanghai, Hongkong, Bangkok und Korea fliegen, wenn der BER am Markt ist.“ Zurzeit fliegt Hainan mehr aus Verzweiflung denn aus Überzeugung sogar direkt nach Prag.

Zuletzt wurden Pläne bekannt, dass die Chinesen zwei Flüge nach Hamburg verlegen könnten, weil von dort, bedingt durch Deutschlands größten Seehafen, viele Geschäftsleute schnelle Verbindungen nachfragen. Das ginge dann erneut auf Kosten Berlins, denn mehr als fünf Flüge insgesamt sind nicht erlaubt. Flughafen-Chef Lütke Daldrup bot Hainan daher in Peking eine Abmachung an. 

„Berlin zieht in diesem Spiel zurzeit den Kürzeren“

Tenor: Wir bemühen uns darum, euch mehr Deutschlandflüge zu besorgen. Dafür geht ihr nicht nach Hamburg. Der Berliner Teil der Abmachung wurde am Dienstag nach dem Gespräch auch sofort in die Tat umgesetzt.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und die mitgereiste Chefin der IHK, Beatrice Kramm, appellierten an die Bundesregierung, mehr Berlin-Flüge Richtung Asien und insbesondere China möglich zu machen. „Berlin zieht in diesem Spiel zurzeit den Kürzeren“, sagte Pop. „Die deutsche Hauptstadt wird nicht in dem Maße berücksichtigt, wie sie sollte.“