Berlin - Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn will möglichst große Teile des Airports BER vorzeitig in Betrieb nehmen. Dadurch ließen sich mögliche Probleme erkennen und beheben, sagte Mehdorn am Mittwoch vor dem Verkehrsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Sein Ziel sei es, „dass wir Dinge, die fertig sind, schon mal in Betrieb nehmen und versuchen, daraus zu lernen“. Das betreffe zunächst etwa das Frachtzentrum am BER, aber auch Passagierflüge. Das Nordpier des BER, das dafür genutzt werden könne, sei in den nächsten sechs Wochen abnahmefähig durch die Genehmigungsbehörden.

Mehdorn untermauerte damit seinen Wunsch, den Betrieb am Großflughafen – anders als ursprünglich geplant – in Etappen aufzunehmen. Über einen vorgezogenen Passagierbetrieb sei die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) mit drei kleineren Fluglinien im Gespräch, sagte er: Dem britischen Unternehmen Easyjet, der Condor und Norwegian Airlines. Wann sie fliegen könnten, ließ der Geschäftsführer der FBB offen. Am Nordpier seien kleinere Veränderungen wie die Aufstellung eines provisorischen Gepäckbandes nötig. Mehrkosten fielen dafür aber nicht an. „Wir geben kein Extra-Geld aus für Umbauten“, betonte Mehdorn.

„Meine Gedanken, aber die spare ich mir“

Vor den Berliner Verkehrspolitikern gab der 70-Jährige erstmals seit seinem Amtsantritt vor bald drei Monaten Auskunft über seine Pläne. Mehdorn beklagte gleich zu Beginn und ungefragt den Stillstand auf der Baustelle seit dem Platzen der Eröffnung im Juni 2012. „Ich verstehe nicht, warum in den letzten zwölf Monaten nichts oder ganz wenig getan worden ist“, sagte er. Fehler beim Bau, die in der hektischen Phase im Frühjahr 2012 gemacht wurden, hätten längst behoben sein müssen.

Das ließ sich als deutliche Kritik an Technik-Vorstand Horst Amann verstehen, der seit August vorigen Jahres versuchen soll, die Probleme insbesondere mit der Brandschutzanlage zu lösen. Mehdorn sagte, er habe zur Verantwortung für die Versäumnisse „meine Gedanken, aber die spare ich mir“.

Allerdings wies er auf Nachfragen Medienberichte zurück, die Entlassung Amanns zu betreiben. „Ich habe nie gesagt, dass ich einen Vorstand rausschmeißen will.“ Er und Amann seien unterschiedliche Charaktere, aber letztlich müsse der Aufsichtsrat Personalentscheidungen treffen. Als Vertrauensvotum für den Technik-Vorstand war das kaum zu verstehen. Später fügte Mehdorn hinzu, wer der beschleunigten Fertigstellung des BER im Weg stehe, müsse mit Konsequenzen rechnen.

Ein weiterer Konflikt deutet sich über den Schallschutz für Anwohner im Umfeld des BER an. Mehdorn kritisierte indirekt das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg, das einen strengen Lärmschutz vorgibt. Es führe dazu, dass „zwischen 80 und 90 Prozent der Menschen Geld bekommen werden“, aber keinen Schallschutz. Der Planfeststellungsbeschluss sieht nämlich Entschädigungen vor, wenn eine Lärmdämmung mehr als 30 Prozent des Verkehrswerts von Häusern oder Wohnungen kosten würde. Die FBB wolle aber keine „Zahlkasse“ werden, so Mehdorn.

Mehdorn ließ erkennen, dass er das OVG-Urteil anfechten will und diese Entscheidung der FBB vorbehält. Er höre zwar Bedenken von Landesregierungen, aber: „Das ist die Verantwortung der Geschäftsführung.“ Nach Einwänden von Abgeordneten ruderte er zurück: Wenn die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund anderer Meinung seien, „ist der Fall erledigt“. In Brandenburg gibt es Rufe nach einer Anerkennung des Urteils, die anderen Flughafeneigner haben sich noch nicht erklärt.

Eine längere Offenhaltung des Flughafens Tegel forderte Mehdorn nicht mehr, sprach sich aber dafür aus, darüber nachzudenken. Der FBB-Chef hat wiederholt erklärt, die vorgesehene Schließung Tegels sechs Monate nach der Eröffnung des BER halte er für zu früh. Im Ausschuss betonte er jedoch: „Natürlich bleiben wir beim Single-Airport-System“, dem Konzept eines einzigen Flughafens für die Region. Der BER sei auch, anders als Kritiker glaubten, nicht zu klein, sondern reiche für lange Zeit aus.