Engelbert Lütke Daldrup war erst einige Wochen im Amt als Flughafenchef, da sagte er etwas, was man von Unternehmensführern selten hört. Er habe eine Organisation vorgefunden, die er nicht verstehe, erklärte er. Eine seiner ersten Maßnahmen in der Flughafengesellschaft war es darum, Zuständigkeiten neu zu verteilen, die Gesellschaft logischer zu strukturieren.

Es ist ein pragmatischer Ansatz, und das entspricht dem 60-Jährigen, der in Berliner Senatskreisen auch „Drängelbert“ genannt wird. „Ein Charmebolzen ist er nicht“, sagt jemand, der Lütke Daldrup aus der Zusammenarbeit kennt. Suche man jemanden, der Menschen umwerben und begeistern solle, dann sei er nicht die richtige Wahl. Doch es scheint auch ohne übertriebene Herzlichkeit zu gehen. Lütke Daldrup hat in seinem ersten halben Jahr im Amt nicht nur den Terminplan bis zur Fertigstellung vorgelegt, sondern auch einen Masterplan für den Ausbau bis 2040.

Die Skepsis, die dem früheren Staatssekretär und Flughafenkoordinator anfangs entgegenschlug – gerade von Seiten der brandenburgischen Vertreter in den Gremien des Unternehmens – hat sich denn auch gelegt. „Unsere Zusammenarbeit ist sehr positiv und konstruktiv“, berichtet der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Bretschneider, der zugleich Flughafenkoordinator der brandenburgischen Landesregierung ist.

Schaden der Eskalation repariert

Dieser Satz mag trivial klingen, ist es aber nicht. Denn dass sein Vorgänger Karsten Mühlenfeld sein Amt niederlegte, lag wesentlich an den Streitigkeiten mit dem damaligen Aufsichtsratschef Michael Müller – und mit Lütke Daldrup, damals noch Berliner Flughafenkoordinator. Mühlenfeld war auf Vorschlag der Brandenburger ins Amt gekommen, entsprechend groß war das Zerwürfnis.

Doch entgegen den Erwartungen ist es Lütke Daldrup gelungen, den Schaden dieser Eskalation zu reparieren. Mit Bretschneider hat er eine stabile Arbeitsbeziehung aufgebaut. Andere Aufsichtsratsmitglieder berichten, er informiere ausführlicher und präziser als seine Vorgänger. Und auch innerhalb der Geschäftsführung ist die Stimmung offenbar wesentlich besser als unter Mühlenfeld.

An seine Seite hat sich Lütke Daldrup dabei Unterstützer aus der Politik geholt. Zwei SPD-Mitglieder beraten ihn in Kommunikationsfragen: Freiberuflich ist Lars Kühn für ihn tätig, früherer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Und als Leiter der Kommunikationsabteilung fängt an diesem Freitag Hannes Hönemann an, ehemals Sprecher des Berliner SPD-Landesverbandes.

Michael Müller vermisst ihn

Die Berliner Opposition kritisierte diese Personalien heftig und sprach von SPD-Filz. Lütke Daldrup wies zurück, dass die Parteizugehörigkeit eine Rolle gespielt habe. Allerdings brauche er an diesen Stellen Mitarbeiter mit Erfahrung aus dem politischen Raum.

Diese bringt er auch selbst mit, anders als viele andere frühere Flughafenmanager. Viele Jahre lang war Lütke Daldrup, der in Stadtplanung promoviert hat, Stadtbaurat in Leipzig. Später wurde er Baustaatssekretär auf Bundesebene, dann in Berlin. In der Senatskanzlei heißt es, Michael Müller, vermisse ihn nach der jahrelangen Zusammenarbeit. Er wird wohl noch eine Weile auf ihn verzichten müssen.