Berlin - Nach den Pannen um den neuen Großflughafen BER hat die Deutsche Lufthansa Investitionen für den Flughafen Tegel verlangt. Tegel müsse für die Zwischenzeit ausgebaut werden, sagte Lufthansa-Vorstandschef Christoph Franz am Donnerstag auf einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer und des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller in Berlin.

Für Tegel, das einmal für eine Jahreskapazität von fünf Millionen Passagieren gebaut wurde und nun 18 Millionen abfertigt, müsse für „einen ordentlichen Flugbetrieb Geld in die Hand genommen“ werden. Franz nannte als Problembereich unter anderem die Gepäckbeförderung. Zum neuen Großflughafen in Schönefeld sagte er, jetzt sei eine sogfältige Bestandsaufnahme notwendig, Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit: „Der nächste Aufschlag muss sitzen“.

Er warnte zugleich vor Überlegungen, Tegel als zweiten Flughafen nach der BER-Inbetriebnahme offenzuhalten oder gar in Sperenberg, das einem früherem möglichen BER-Standort, eine weitere Landebahn zu bauen. „Wenn man in Berlin ein großes Drehkreuz haben will, muss das ein Single-Airport sein.“ Die sicherste Methode, ein Drehkreuz zu verhindern, seien zwei Flughäfen an einem Standort.

Im Übrigen sprach sich der Lufthansa-Chef für eine Rückkehr zur Sachlichkeit aus. Die Verspätung von BER habe keine nennenswerte Auswirkung auf die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, „da muss man die Kirche schon mal im Dorf lassen“. Dass ein solches Großprojekt auch in Deutschland schief geht, „macht uns eher in anderen Ländern sympathisch“.

Enteignung der Aktionäre

Franz nannte als weitere Beispiele für solche Projekte, die viel später als ursprünglich geplant realisiert wurden, unter anderem den Suez-Kanal, den Gotthard-Straßentunnel und den Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien, der zudem noch zur Enteignung der Aktionäre geführt habe. Franz zeigte sich wenig besorgt, dass Deutschlands Reputation im Ausland unter dem Desaster um den Flughafen leiden wird: „Die Diskussion um BER wird im Ausland in der Intensität wie in Deutschland nicht geführt“.

Die Lufthansa ist indes nicht abgeneigt, wieder Interkontinentalflüge von Berlin aus anzubieten. „Das können wir uns vorstellen“, sagte der Lufthansa-Vorstandschef. Er bezog sich dabei auf die erfreulich konstant wachsende Berliner Wirtschaft, was die Nachfrage insbesondere auch im Geschäftskundenbereich stärke. Franz schränkte allerdings ein, dass ein solches Angebot nicht kurzfristig in Sicht sei.

Die Lufthansa ermuntere aber alle in der Star Alliance vertretenen Partner, solche Flüge in der Hauptstadt zu starten. Franz verwies darauf, dass die Airline ihre Kapazitäten in Berlin im vergangenen Jahr „wie noch nie an einem Standort“ aufgestockt habe. Insgesamt würden von Berlin aus 50 Ziele angeflogen, damit liege man gleichauf mit Wettbewerber Air Berlin. Er erneuerte die Aussage, dass die Lufthansa dennoch in Berlin kein weiteres Drehkreuz einrichten werde.