Noch kann man mit der Lufthansa von Berlin nonstop zu vielen Zielen reisen, noch sind die Maschinen mit dem blau-gelben Kranich-Emblem häufig in Tegel zu sehen. Noch. Doch das wird sich ändern, teilte Lufthansa-Vorstandsmitglied Carsten Spohr am Montag mit. Denn künftig werden die Flugzeuge mit dem Kranich von Berlin nur noch nach Frankfurt am Main und München fliegen. „Die anderen Destinationen, die wir von hier ansteuern, werden von Germanwings bedient.“ Die Airline mit den niedrigeren Kosten wird nach Köln, Nürnberg, Stuttgart und Hamburg auch in Berlin viele Lufthansa-Flüge übernehmen. Die Umstellung ist für die Winterflugplanperiode, die im Oktober beginnt, geplant. „Ende März 2014 soll sie abgeschlossen sein“, kündigte Germanwings-Sprecher Heinz Joachim Schöttes an.
Es ist gerade mal 13 Monate her: In Tegel spendierte die Lufthansa Fluggästen gratis Currywurst, Manager der Airline stießen mit Politikern an. Am 3. Juni des vergangenen Jahres feierte die größte deutsche Fluggesellschaft ihr bisher umfangreichstes Expansionsprogramm.

200 Mal Frankfurt und München

In Berlin erhöhte die Lufthansa die Zahl ihrer Flugzeuge über Nacht von 10 auf 15, die der Ziele von 11 auf 39. Nicht nur Lokalpatrioten freuten sich, dass das Unternehmen, dessen Geschichte 1926 in Berlin begann, in seiner Heimatstadt auftrumpfte.
Doch schon zum Sommerflugplan 2013 ließ der Kranich Federn. Weil auf einigen Routen die Zahl der Buchungen zu wünschen übrig ließ und sich der Umsteigeverkehr nicht wie erwartet entwickelte, zog die Lufthansa zwei der 15 Flugzeuge aus Berlin wieder ab. Auf sechs Strecken wurde der Flugplan ausgedünnt, fünf Destinationen entfielen. 2014 bleiben der Kranich-Linie in Tegel noch rund 200 Flüge pro Woche.

Geringere Kosten als Argument

Dagegen wird Germanwings die Zahl der Flüge von und nach Berlin mehr als verdreifachen, auf 624 pro Woche. Zehn weiß und brombeerfarben lackierte Flugzeuge werden 36 Ziele ansteuern, für das nächste Jahr erwartet die Airlinie in Berlin 2,6 Millionen Passagiere – mehr als vier Mal so viel wie in diesem Jahr.
Dass Germanwings einen Großteil des defizitären Lufthansa-Europageschäfts übernimmt, hat einen nachvollziehbaren Grund. „Unsere Kosten sind um 20 bis 30 Prozent geringer“, so Germanwings-Chef Thomas Winkelmann. Es gibt andere Tarifbedingungen, in vielen Fällen ist das Gehalt niedriger. „Das ist ein großer Strategieschwenk, den wir vollziehen“, sagte Spohr. Die Fluggäste würden profitieren. Wer zum höchsten Tarif reist, bekommt Premiumleistungen – unter anderem ein eigenes Handgepäckfach und einen freien Mittelplatz nebenan.