Es könnte ein Schulgebäude sein. Oder eine Behörde. Es ist ein einfacher Quader, 105 Meter lang, 22 Meter breit, zwei Stockwerke hoch, mit gut sichtbarer Technik auf dem Flachdach. Die Fassade: Kunststoffplatten in verschiedenen Schattierungen, ein Mix aus Grau und Altweiß. Der künftige Regierungsflughafen der deutschen Hauptstadt, der nach 18 Monaten Bauzeit fertiggestellt worden ist, wirkt betont schlicht.

Und so soll es auch sein, sagt der oberste Chef der Flughafengesellschaft FBB, die den Neubau Ende 2016 in Auftrag gegeben hat. „Goldene Wasserhähne gibt es hier nicht, auch keinen anderen Luxus“, so Engelbert Lütke Daldrup. „Hier ist ein schnörkelloses, funktionales Gebäude entstanden“ – Vorbild für weitere Bauprojekte am Flughafen BER.

Hier sollen künftig Staatsgäste empfangen werden

Die Fahrt führt durch eine staubige Baustellenlandschaft mit Dixi-Toiletten und Containern, dann ist das Grundstück am Rande des Schönefelder Rollfelds erreicht. An der Sicherheitsschleuse grünt Buchsbaum in unverrückbaren Pflanzenkübeln aus Beton. Das Verkehrszeichen „Kolonnenaufstellfläche“, vor dem Limousinenkonvois auf die Abfahrt warten werden, unterstreicht die Besonderheit des Geländes. Es gibt auch zwei Behindertenparkplätze. Videokameras haben alles im Blick.

Hier sollen künftig Staatsgäste empfangen und verabschiedet werden, Mitglieder der Bundesregierung ihre Dienstreisen antreten. Weil die Anlage an der Ramp 1, wie dieser Teil des Schönefelder Flughafens heißt, aber nur etwas mehr als vier Jahre für diesen Zweck genutzt werden soll, heißt er Interims-Terminal. Interim bedeutet „vorläufig“, „zwischenzeitlich“.

Es gab so einige prominente Staatsgäste, die in den vergangenen Jahren auf dem BER hätten empfangen werden könnten: 

Am Mittwoch will Lütke Daldrup vor allem eine Botschaft loswerden: „Uns wird ja gelegentlich vorgehalten, dass wir nicht im Zeit- und Kostenrahmen bauen können. Das Interims-Protokollterminal zeigt, dass es jetzt auch anders geht.“ Das von der Architektengemeinschaft Fehr geplante, von Züblin und Habau errichtete Bauwerk wurde am 31. August als fertig gemeldet – die FBB liegt im Zeitplan.

Für das Projekt inklusive Erschließung und Vorfeld wurden 79 Millionen Euro bewilligt, die tatsächlichen Kosten werden aber wahrscheinlich leicht darunter liegen. Auf das Terminalgebäude entfallen rund 30 Millionen Euro. Davon trägt der Bund 13 Millionen – sein Beitrag für die besondere Sicherheitsausstattung, zu der extrafestes Fensterglas gehört.

„Eine ganz normale Bürospange“

Der Flughafenchef geht voran. Im Check-in-Raum gibt es vier Schalter. Graue Fliesen bedecken den Boden, sechs mit Stoff bespannte Rechtecke in Türkis und Ockergelb eine Wand – die Paneele sollen die Akustik verbessern. Mehr Schmuck gibt es nicht. Der Raum für die Sicherheitskontrolle ist noch leer, das gilt auch für die drei Wartebereiche mit jeweils einer Damen- und Herrentoilette.

Im Raum 1310 hängen bereits die Lautsprecher, und das Podium für die Kameras der Fernsehteams ist aufgebaut – hier werden Pressekonferenzen stattfinden. Nebenan befinden sich Dolmetscherkabinen.

Treppen und Aufzüge führen nach oben. „Hier wird der normale Delegationsgast nicht hinkommen“, sagt der Flughafenchef. Büros, Teeküchen, Besprechungsräume – „eine ganz normale Bürospange“. Mit Besonderheiten: Raum 2660 ist schon als Visagistenzimmer gekennzeichnet, hier können sich Politiker und Staatsgäste für Fernsehaufnahmen schminken lassen. Für Mitarbeiter, die aus Zeitgründen am BER übernachten müssen, sind zwei Schlafräume und eine Dusche vorgesehen.

Geheimbereich in der oberen Etage

Vor einer geschlossenen Glastür macht der oberste FBB-Manager kehrt. Hier beginnt der VSNFD-Sektor, erklärt er – Verschlusssache, nur für den Dienstgebrauch! Kein Außenstehender darf den Bereich sehen, der für die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler reserviert ist. Dieses Regierungsmitglied muss nicht am Check-in mit dem Pass in der Schlange stehen, es darf hier oben warten. Vier große Räume eröffnen einen guten Blick auf den BER und das Vorfeld, das Platz für fünf größere Flugzeuge bieten wird.

„Wir haben eine Philosophie verfolgt, die wir auch bei unseren weiteren Projekten am BER anwenden werden – zum Beispiel dem Bau des Terminals T2, das 2020 fertig werden soll“, sagt Lütke Daldrup. „Wir haben einen Generalunternehmer beauftragt, der das Gebäude schlüsselfertig erstellt hat. Das Gebäude besteht aus Fertigteilen, die verkleidet worden sind. Bei der Haustechnik wurde auf anerkannte, konventionelle Lösungen gesetzt. Dies ist ein relativ einfaches Gebäude, alles ist technisch so einfach wie möglich.“

Auf 2200 Quadratmeter Nutzfläche wird das neue Terminal trotzdem mehr Raum, bessere Anlagen und Technik bieten als der jetzige Regierungsflughafen in Tegel-Nord. Auch das Vorfeld bietet mehr Platz. In Tegel hat der Bund nur kleine Abstellflächen, meist überführt er seine Flugzeuge von Köln/Bonn dorthin. So viel Platz wie an ihrem Hauptsitz wird die Flugbereitschaft aber auch am neuen Standort nicht haben.

Verzicht auf Mieteinnahmen

Im Oktober wird das Interims-Terminal dem Bund übergeben. Doch der will es erst dann für Staatsbesuche und Regierungsflüge nutzen, wenn der BER in Betrieb geht – voraussichtlich ab Oktober 2020.

„Zwar entgehen uns zunächst Mieteinnahmen“, so Lütke Daldrup. „Andererseits können wir das Vorfeld bis zum Einzug des Bundes im Jahr 2020 selbst nutzen. Und es verringert sich durch den späteren Einzug die Gefahr, dass wir Vertragsstrafen zahlen müssen, wenn wir mit unserem Beitrag zum endgültigen Regierungsterminal in Verzug geraten sollten.“

Das endgültige Gebäude entsteht auf einem Teil des Flughafens, der bis 2025 noch gebraucht wird – an der Ramp 2 vor den Terminals D und D1. Der Bund will es selbst bauen, für 310 Millionen Euro. Im Interims-Terminal sollen von 2025 an Privat- und Geschäftsflieger einchecken. Dem Vernehmen nach wäre es aber vertraglich möglich, dass der Bund im Interims-Gebäude bleibt – und auf den teuren Neubau verzichtet.