Berlin - Die an Skandalen und Pleiten bisher schon reiche Geschichte des neuen Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) hat seit Dienstag ein Kapitel mehr. Der für den 3. Juni 2012 fest geplante Start des Flugbetriebs muss abgesagt und verschoben werden, voraussichtlich bis in die zweite Augusthälfte. Grund für diese überraschende Entscheidung sind nach Angaben der Flughafengesellschaft Probleme mit dem Brandschutz. „Dies ist eine bittere Erkenntnis, die wir zu akzeptieren haben“, sagte am Dienstag der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen-Betreibergesellschaft. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), ebenfalls Aufsichtsratsmitglied, sagte, die Nachricht sei eine „mehr als böse Überraschung“.

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Der Eröffnungstermin ist damit bereits zum zweiten Mal verschoben worden. Ursprünglich sollte der Flughafen bereits am 30. Oktober 2011 seinen Betrieb aufnehmen. Grund für die erste Verzögerung war unter anderem die Notwendigkeit, zwei Check-in-Terminals anzubauen, um neue Sicherheitsbestimmungen umzusetzen.

Wowereit sagte, dies sei kein guter Tag für die Region. Die Sicherheit für Leib und Leben der Fluggäste gehe aber in jedem Fall vor. Wer was wann wusste, werde jetzt geprüft, ebenso die Frage von Regressansprüchen. Wowereit will zu der Verschiebung am Donnerstag im Abgeordnetenhaus eine Regierungserklärung abgeben.

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Platzeck sagte, er erwarte, dass die Flughafengesellschaft am kommenden Montag „ganz klare Aussagen“ zu einem neuen Starttermin machen könne. Die Fluglinie Air Berlin sprach sich gegen einen neuen Eröffnungstermin innerhalb der Sommersaison der Airlines aus. Diese Saison läuft länger als die Berliner Sommerferien.

Flughafen-Chef Rainer Schwarz erklärte, er könne sich „nur entschuldigen“. Offen ist, wie teuer die Verschiebung wird, weil Regressforderungen etwa der Fluglinien zu prüfen sind, die ihre Pläne längst auf den BER abgestellt haben. Die Rede ist von rund 15 Millionen Euro Mehrkosten pro Monat, bis Ende August würden so mehr als 40 Millionen Euro anfallen. Mit dem Kostenplan „kommen wir an die Kante“, räumte Wowereit ein.

"Eine peinliche Blamage"

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nannte die Verschiebung am Dienstag „bedauerlich“. Es müsse aber ein absolut sicherer Betrieb gewährleistet sein. „Berlin kann sich keinen Pannenflughafen leisten“, sagte Ramsauer. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte, für Deutschland und die Bundeshauptstadt sei das „eine peinliche Blamage“. Wowereit solle sich intensiver um seine Aufsichtsratspflichten kümmern. Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Toni Hofreiter (Grüne), sagte der Berliner Zeitung, die kurzfristige Verzögerung beweise, dass in der Flughafengesellschaft hemdsärmlige Projektmanager am Werk seien. Er erwarte nun, „dass die Zeit genutzt wird, um den dringend nötigen Lärmschutz für die Betroffenen umzusetzen.“